ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2018Organspende: Arbeit und Kosten
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Die Statistiken der DSO (Deutsche Stiftung Organspende) zeigen klar, dass sich weder an der Zustimmung der Bevölkerung zur Organspende (ca. 80 Prozent äußern sich in Umfragen nach wie vor positiv zu Organspende) noch an der Zustimmung von Angehörigen, die bei einer konkreten Organspende befragt werden, in den letzten Jahren etwas geändert hat.

Das Problem hat also nicht mit schwindender Akzeptanz wegen der Organverteilungsskandale der letzten Jahre zu tun, sondern liegt im Wesentlichen in den Krankenhäusern. Die ganz überwiegende Menge der Organspender kommen aus immer den gleichen wenigen Krankenhäusern. Viele große Krankenhäuser mit Intensivstationen liefern praktisch nie Organspender.

Die Auswertungen der DSO zeigen, dass die Organspende bei der Mehrzahl der potenziellen Spender gar nicht in Erwägung gezogen wird. Die Organspende ist bei den Verwaltungsleitern der Kliniken unbeliebt, weil sie Arbeit und Kosten mit sich bringt, die von den derzeitigen Vergütungen bei Weitem nicht abgedeckt werden. Sie ist unbeliebt bei den Mitarbeitenden auf den Intensivstationen (Pflegepersonal und Ärzte), weil sie zusätzliche Arbeit macht und die Verweildauer auf der Intensivstation verlängert (Feststellung des irreversiblen Hirntods, eventuell aufwendige Voruntersuchungen des Spenders, Organisation der Organentnahmen, Belegung von OP-Kapazitäten). Eine Organspende bringt dem Transplantationsbeauftragten der Klinik zusätzliche Arbeit, für die er weder Zeit, noch Geld, noch Anerkennung bekommt. Diese Beobachtung machen seit Jahren alle die, die unmittelbar mit dem Thema befasst sind.

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Die Ärzteschaft sollte ... sich dort engagieren, wo die tatsächlichen Probleme liegen: Vergütung der Krankenhäuser, Bereitstellung von Ressourcen (Zeit und Geld) für die Transplantationsbeauftragten und die Akzeptanz der Organspende bei allen Beteiligten.

In Spanien sind die Krankenhäuser stolz darauf, dass sie viele Organspenden haben. Die Transplantationsbeauftragten dort haben ausreichend Zeit für ihre Arbeit und werden entsprechend vergütet. In Deutschland wird das Thema von den Krankenhäusern aus den oben genannten Gründen ausgesprochen stiefmütterlich behandelt.

Hier müssen die Bemühungen der Verantwortlichen ansetzen, wenn wir eine Chance haben wollen, bei der Zahl der Organspenden pro Million Einwohner vom vorletzten Platz in Europa in die Champions League vorzustoßen.

Prof. Dr. med. Jan Goßmann, 63225 Langen

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