ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2018Organspende: Ehrliche Analyse starten
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… In der aktuellen Debatte wird davon ausgegangen, dass ein Wechsel der Legitimation zu einem signifikanten Anstieg der Organspenderate in Deutschland führen würde. Als Hauptargument für diese These wird häufig angeführt, dass in Spanien die höchste Organspenderate in Europa besteht und dort die Widerspruchslösung gilt.

Allerdings unterscheidet sich das spanische vom deutschen System hinsichtlich mehrerer Dinge: Dort werden Organspenden auch bei einem Versterben außerhalb des Krankenhauses und bei „non-heart beating donors“ durchgeführt. Vor allem aber wurde das Personal auf Intensivstationen und in den Notfallabteilungen intensiv geschult. … Andererseits haben andere Länder wie Griechenland, die Slowakei, Türkei und Polen trotz Widerspruchslösung ähnlich niedrige oder gar niedrigere Organspenderaten als Deutschland. …

Laut Jahresbericht der Deutschen Stiftung Organtransplantation bestehen große Unterschiede zwischen Krankenhäusern vergleichbarer Kategorien innerhalb Deutschlands. Die Rate der Ablehnungen von Organspenden durch Angehörige ist in diesem Zeitraum weitgehend konstant geblieben. Daraus lässt sich also nicht ableiten, dass ein Rückgang der Spendebereitschaft in der Bevölkerung entstanden ist. Man muss vielmehr postulieren, dass die Identifikation potenzieller Organspender in den Kliniken vor Ort zurückgegangen ist. Es ist sehr gut möglich, dass … auch finanzielle Aspekte und ethische Bedenken des Personals … Einfluss auf diesen Rückgang haben.

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Daher müsste zunächst eine ehrliche Analyse das Organspendepotenzial und die Gründe für eine individuell niedrige Organspenderate in repräsentativen Krankenhäusern erfassen. Die Ausbildung eines Transplantationsbeauftragten pro Krankenhaus erscheint hier bei Weitem nicht ausreichend, da diese Person nicht auf den entscheidenden Stationen dauerhaft präsent sein kann. Es muss zunächst ein Umdenken in der medizinischen Fachwelt stattfinden, sodass die Bedeutung der Organspende für alle Kliniken steigt: Ärzte und Pflegepersonal auf Notfall- und Intensivstationen müssen geschult und motiviert werden, potenzielle Organspender zu identifizieren und der DSO zu melden.

Wie in dem Beitrag … angedeutet wird, muss möglicherweise zusätzlich ein Anreizsystem für das potenzielle „Organspende-Krankenhaus“ geschaffen werden, da der Akt der Organspende durch die längere Liegedauer auf Intensivstation und den operativen Eingriff der Organentnahme Ressourcen in dem jeweiligen Haus bindet.

Dr. med. Stefan Heinrich, 55131 Mainz

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