ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2018Zuckerstoffwechsel: Unbedingt staatliche Maßnahmen
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Es kann nicht sein, dass das Thema Ernährung in Deutschland vom Bundeslandwirtschaftsministerium betreut wird. Zu groß ist die Gefahr, dass dort die Interessen der Zucker- und Lebensmittelindustrie stärker Berücksichtigung finden als die Gesundheit der Bevölkerung. Um wirklich gesundheitliche und nicht in erster Linie wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund zu stellen, muss das Thema „gesunde Ernährung“ beim Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium angesiedelt werden.

Ausgezeichnet haben Sie die hormonellen Auswirkungen eines überhöhten Zuckerkonsums dargelegt. Und schließlich haben Sie sehr gut aufgezeigt, wie Studien belegen, dass allein Appelle an die Eigenverantwortung der Bevölkerung und Investitionen in eine bessere Ernährungsschulung nicht ausreichen: Die Prävalenz von Adipositas sinkt dadurch lediglich um ein Prozent. Meine eigene klinische Erfahrung im Alltag sieht ähnlich aus. Wir können als Ärzte nicht alle unsere Patienten zu einer gesunden Ernährung „bekehren“. Gerade Kinder lassen sich zu stark von der Werbung beeinflussen und sozial Benachteiligte vom günstigen Preis ungesunder Nahrungsmittel.

Deshalb brauchen wir auch in Deutschland unbedingt staatliche Maßnahmen, um einer zu ungesunden Ernährungsweise der Bevölkerung entgegenzuwirken. An erster Stelle steht für mich da eine Zuckersteuer auf Süßwaren und Softdrinks: Schon für 0,39 Euro bekommen Sie heute beim Discounter 1 ½ Liter Cola (mit 150 Gramm Zucker). Es kann nicht angehen, dass gerade finanziell Schwache den Hunger ihrer Kinder nach (im Winter teurem) Obst mit billigen Fruchtgummis stillen! Süßwaren können gerne als Genussmittel in geringen Mengen verzehrt werden, aber nicht Grundnahrungsmittel für unsere Kinder sein! Obst und Gemüse sollten im Gegenzug steuerlich gefördert werden! Auch den übrigen Maßnahmen, die von 15 Ärzteverbänden und foodwatch gefordert werden, stimme ich voll zu: Wir brauchen die Lebensmittel-Ampel und Beschränkungen bei der Werbung für Süßwaren besonders bei der für Kinder. Hier muss die Politik endlich handeln.

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Dr. med. Max Dienel, 86633 Neuburg an der Donau – Ortsteil Heinrichsheim

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