ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2018Psychische Erkrankungen: Oft verkannte Depression
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Zwei von drei Frauen ab der Menopause leiden erstmalig länger anhaltend an Depression und nehmen das „schicksalhaft“ hin. Bei Berufstätigen bewirkt das mehr Fehltage und zu oft Frühberentung.

Exemplarisch die Direktorin eines Gymnasiums mit 55 Jahren in der gynäkologischen Praxis: „Beseitigen Sie meine Depressionsprobleme, die ich seit der Menopause habe, oder ich gehe in vorzeitigen Ruhestand.“ Sie bekam Hormonsubstitution und berichtete nach drei Monaten, sie werde weiterarbeiten – bis zum 65. Lebensjahr realisiert.

Der antidepressive Effekt substituierter Hormone ist bei zwei von drei Frauen in den Jahren nach der Menopause erfolgreich. Statt Darstellung von Wirkmechanismen, der Hinweis auf Frauen direkt nach der Geburt. Mit Ausstoßung der Plazenta kommt es zum „Hormonabsturz“, durch volles Stillen anhaltend. Depressionen als Folge werden verharmlosend als „Blues“ bezeichnet. Bei Wochenbettpsychosen mit schwerer Depression wird ärztliche Hilfe beansprucht.

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Für Hormonsubstitution sind neun von zehn gesunden Frauen ab der Menopause geeignet – ausgenommen jene mit Thrombose in Anamnese und nach Therapie von hormonabhängigem Krebs.

In Erfurt wurde Depression als Risikofaktor für KHK und erhöhte Mortalität insgesamt betont. Bei Hormonsubstitution wegen depressiver Probleme ist auf Zusatznutzen zu verweisen: halbiertes KHK-Risiko und halbierte Gesamtmortalität bis zum 75. Lebensjahr.

Fazit: Die beim Ärztetag geforderte bessere sektorenübergreifende Versorgung bei Depression gilt insbesondere für Frauen ab der Menopause.

Eine aktuelle Metaanalyse zu Antidepressiva mit 522 Studien (n = 11 700, x 44 Jahre, 62 % Frauen) vergaß Hormonsubstitution.

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. J. M. Wenderlein, 89075 Ulm

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