ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2018Diabetes-Spätkomplikationen: Weniger Amputationen der unteren Extremität

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetes-Spätkomplikationen: Weniger Amputationen der unteren Extremität

Dtsch Arztebl 2018; 115(23): A-1128 / B-949 / C-945

Hillienhof, Arne

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Foto: stock.adobe.com
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Die Zahl der Amputationen der unteren Extremität bei Menschen mit Diabetes ist zwischen 2008 und 2012 zurückgegangen. Allerdings bleibt Diabetes die Hauptursache für derartige Amputationen: Rund zwei Drittel von ihnen erfolgten bei Menschen, die unter Diabetes litten. An der Studie beteiligten sich Forscher vom Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf, Krankenkassen, klinischen Partnern und den Universitäten Köln und Oldenburg. Sie bezogen Daten von 34 Millionen gesetzlich Versicherten ein, dies entspricht mehr als 40 % der deutschen Bevölkerung.

Dabei betrachteten die Wissenschaftler die Häufigkeit für Amputationen der unteren Extremität nicht nur für Personen mit Diabetes, sondern auch für Personen ohne eine Zuckererkrankung. Die Forscher unterschieden bei ihrer Analyse zwischen größeren Amputationen der unteren Extremität oberhalb des Sprunggelenks (Major-Amputationen) und kleineren durch oder unterhalb des Sprunggelenks (Minor-Amputationen). Bei rund 11 % aller Versicherten der Studie wurde Diabetes Typ 1 oder 2 diagnostiziert. Insgesamt musste von 2008–2012 bei 108 208 Teilnehmern mindestens eine Amputation der unteren Extremität vorgenommen werden. Von diesen litten rund zwei Drittel an Diabetes. Im Durchschnitt waren die Patienten zum Zeitpunkt ihrer ersten Amputation der unteren Extremität 73 Jahre alt.

Bei Menschen mit Diabetes waren im Laufe der Jahre alle Amputationsformen rückläufig. Sie nahm alters- und geschlechtsbereinigt jährlich um rund 4 % ab. Dabei war dieser Rückgang bei Minor-Amputationen mit 2 % pro Jahr eher moderat, während mit 9 % pro Jahr ein deutlicher Rückgang bei Major-Amputationen beobachtet wurde. Demgegenüber nahm bei Versicherten, die keinen Diabetes hatten, nur die Zahl der größeren Amputationen mit 6 % pro Jahr ab, während bei kleineren Amputationen diese Zahl um 2 % pro Jahr zunahm.

Fazit: „Die positive Entwicklung bei Versicherten mit Diabetes ist möglicherweise auf eine bessere Koordination der Versorgung von Menschen mit diabetischem Fußsyndrom zurückzuführen“, kommentiert Andrea Icks, Direktorin des Instituts für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung am DDZ die Ergebnisse. Arne Hilienhof

Claessen H, Narres M, Haastert B. Lower-extremity amputations in people with and without diabetes in Germany, 2008–2012 – an analysis of more than 30 million inhabitants. Clin Epidemiol. 2018 Apr 20; 10: 475–488. doi: 10.2147/CLEP.S146484. eCollection 2018.

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