ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2018Diagnostik bei der diabetischen Retinopathie: Periphere Läsionen für die Beurteilung von Netzhautschäden immer wichtiger

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diagnostik bei der diabetischen Retinopathie: Periphere Läsionen für die Beurteilung von Netzhautschäden immer wichtiger

Dtsch Arztebl 2018; 115(23): A-1127 / B-948 / C-944

Gerste, Ronald D.

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Foto: picture alliance
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Die Stadieneinteilung der diabetischen Retinopathie erfolgt standardmäßig durch Stereofarbfotos eines 30° umfassenden Bereichs, einem Areal um Makula und Eintrittsstelle des Sehnerven (Papille). In letzter Zeit kam die Ultraweitwinkel-Fotografie hinzu, die circa 80 % der Netzhaut abbildet, oft ohne eine Pupillenerweiterung zu erfordern. So lassen sich auch periphere Manifestationen diabetischer Netzhautveränderungen darstellen. Deshalb wurde die Kategorie „predominantly peripheral lesions“ (PPL) neu eingeführt für Patienten, bei denen die Mikro-aneurysmen, Blutungen, Neovaskularisationen und andere Merkmale der diabetischen Retinopathie mehrheitlich außerhalb des klassischen Untersuchungsfeldes liegen (PPL).

In einer Studie wurden 161 Augen von 104 Diabetikern mit bekannter Retinopathie mit der Ultraweitfeldanalyse untersucht. Auf den Bildern mit einem Blickfeld von 200° wurden 11 982 diabetische Läsionen dokumentiert. Innerhalb des klassischen zentralen Untersuchungsfeldes befanden sich 78 %, 22 % lagen in der Peripherie der Netzhaut. Von den 161 Augen wurden 40 als PPL eingeschätzt, die sich der klassischen Bildgebung weitgehend entzogen hätten.

Harte Exsudate traten eher im zentralen Feld auf und lagen zu 58 % im Bereich klassischer Aufnahmen und nur bei 6 % in der Peripherie. Blutungen aber waren mit 28 % in der Peripherie fast so häufig wie im Zentrum mit 34 %. Die von Mikroaneurysmen betroffene Retinafläche war in der Peripherie fast so groß wie im Zentrumsbereich.

Fazit: „Die Ultraweitfeld-Bildgebung der Netzhaut erweitert die Möglichkeiten, die diabetische Retinopathie zu evaluieren, beträchtlich und auf nicht belastende Weise“, erklärt Prof. Dr. med. Alireza Mirshahi, Direktor der Augenklinik Dardenne in Bonn-Bad Godesberg. „Die Studie belegt, was wir in der Praxis fast täglich beobachten: Bei manchen Diabetikern würde sich das Progressionsrisiko ohne die Untersuchung der Netzhautperipherie nicht korrekt beurteilen lassen.“ Und es gebe Hinweise darauf, dass dieses Risiko bei peripheren Läsionen um das Vierfache erhöht ist (2). Dr. med. Ronald D. Gerste

  1. Sears CM, Nittala MG, Jayadev C, et al.: Comparison of subjective assessment and precise quantitative assessment of lesion distribution in diabetic retinopathy. JAMA Ophthalmol 2018; 136: 365–71.
  2. Silva PS, Cavallerano JD, Haddad NM, et al: Peripheral lesions identified on ultrawide field imaging predict increased risk of diabetic retinopathy progression over 4 years. Ophthalmology 2015; 122: 949–56.

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