ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2018Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung und Fernbehandlung: Die Beschlüsse der Ärzte

EDITORIAL

Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung und Fernbehandlung: Die Beschlüsse der Ärzte

PP 17, Ausgabe Juni 2018, Seite 241

Bühring, Petra

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Der 121. Deutsche Ärztetag nimmt in diesem Heft einen relativ großen Raum ein. Das liegt daran, dass diesmal psychische Erkrankungen in den Mittelpunkt gestellt wurde. Nach der allgemeinen Gesundheits- und Sozialpolitik, traditionell „TOP I“ auf den Ärztetagen, war das Thema als TOP II angesiedelt (siehe „Eine Volkskrankheit im Fokus, Seite 247). Fast vier Stunden lang diskutieren die Delegierten in Erfurt die Versorgung psychisch Kranker „aus ärztlicher Sicht“ und stellten eine Vielzahl an Forderungen an Politik und Selbstverwaltung auf, die sich von Forderungen auf Psychotherapeutentagen zum Teil nicht unterschieden. Referenten aus der klinischen Psychiatrie, der Psychosomatik und der Allgemeinmedizin hielten sachkundige Vorträge, ein Vertreter des ambulanten Bereichs hätte das Spektrum noch erweitert. Wer erwartet hatte, dass gegen die psychologische Psychotherapie polemisiert würde, wurde enttäuscht. Zwar stellte der psychosomatisch orientierte Referent heraus, dass die Psychotherapie Bestandteil der Medizin bleiben müsse, aber das war fast der einzige Hinweis auf das Unbehagen, dass viele Ärzte mit der Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung haben. Diskutiert wurde auch in den nächsten beiden Tagen nicht über die Reform, was wohl der Vielzahl der für die Delegierten wichtigeren Themen und Entschließungsanträge geschuldet war. Es wurde aber beschlossen: Das Ärzteparlament lehnte die Novellierung des Psychotherapeutengesetzes ab und forderte das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium auf, den Arbeitsentwurf zurückzuziehen. Die Reform bedrohe das ärztliche Berufsbild und es könnten getrennte Versorgungsbereiche entstehen, so die Befürchtung (Seite 246). Diesen Beschluss kritisierten umgehend vier psychotherapeutische Verbände in einer Presseerklärung als „unzulässige Einmischung“. Einvernehmlich forderten der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten, Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie, Deutsche Psychotherapeutenvereinigung und die Vereinigung analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten den Gesetzgeber auf, die Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung zügig fortzusetzen. Die Psychotherapie werde dadurch nicht aus der medizinisch-ärztlichen Versorgung ausgegliedert, sondern bleibe ein „gemeinsames Feld“.

Viel Raum nimmt in diesem Heft auch die Berichterstattung über die Aufhebung des Fernbehandlungsverbots ein, den der Deutsche Ärztetag beschlossen hat. („Weg frei für die Telemedizin“, Seite 256). Künftig sollen Beratung und Behandlung auch ohne persönlichen Erstkontakt telefonisch oder über das Internet erlaubt sein. Damit reagieren die Ärzte auf den dramatischen Wandel durch die Digitalisierung, der längst auch die Gesundheitsversorgung erreicht hat. Inzwischen bieten immer mehr Unternehmen medizinische Beratung online an, häufig aus dem Ausland und damit der Rechtsaufsicht hier entzogen. Für die Psychotherapie ist die ausschließliche Fernbehandlung hingegen keine Option. Der letzte Deutsche Psychotherapeutentag sprach sich eindeutig dafür aus, dass Diagnostik und Aufklärung grundsätzlich im persönlichen Kontakt zwischen Psychotherapeut und Patient erfolgen muss. So sieht es die Musterberufsordnung vor und so soll es bleiben. Den Chancen von ergänzenden Onlineinterventionen oder Videokommunikation verschlossen sich die Delegierten dennoch nicht.

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