ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2018Psychotherapeutische Praxis als Unternehmen (7): Das Qualitätsmanagement

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Psychotherapeutische Praxis als Unternehmen (7): Das Qualitätsmanagement

PP 17, Ausgabe Juni 2018, Seite 276

Gross, Werner

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Kaum jemand liebt es. Trotzdem müssen sich gerade niedergelassene Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten mit dem Qualitätsmanagement ihrer Praxis auseinandersetzen.

Für alle niedergelassenen ärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, die in der Regelversorgung mit gesetzlichen Krankenkassen abrechnen, ist Qualitätsmanagement (QM) verpflichtend. Seit Januar 2005 ist vom Gesetzgeber vorgeschrieben, dass alle Praxisinhaber ein praxisinternes Qualitätsmanagementsystem einführen und fortlaufend pflegen müssen. Für den medizinischen und psychotherapeutischen Bereich hat der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) im Jahr 2005 Richtlinien für dieses QM festgelegt. Danach muss jede Praxis innerhalb von drei Jahren nach Gründung ein QM-System implementieren. In der Richtlinie zur Einrichtung eines Qualitätsmanagementsystems des G-BA vom 17. Dezember 2015 heißt es dazu: „Die Kassenärztlichen Vereinigungen fordern mindestens 2,5 Prozent zufällig ausgewählte Vertragsärztinnen und Vertragsärzte zu einer schriftlichen Darlegung des erreichten Umsetzungsstandes des einrichtungsinternen Qualitätsmanagements ihrer Praxis auf.“

Dabei geht es bei QM um die Ausrichtung der Versorgung an fachlichen Standards und Leitlinien, aber auch um die Strukturierung von Behandlungsabläufen, um Patientenorientierung, Patientenmitwirkung und Patientensicherheit. Es handelt sich bei QM um alle organisierten Maßnahmen, die die Verbesserung von Prozessen oder Leistungen zum Ziel haben, um ein qualitativ hochwertiges ärztliches und psychotherapeutisches Angebot für die Bevölkerung zu schaffen. QM-Systeme in der Psychotherapie sind umfassende Anleitungen und Instrumente zur Führung und fortlaufenden Optimierung psychotherapeutischer Praxen oder Einrichtungen in Bezug auf deren Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. Im Einzelnen:

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  • Strukturqualität: Sie bezieht sich auf materielle Rahmenbedingungen des Therapiesettings und der Personalausstattung. Darunter fallen fachliche Voraussetzungen wie die Ausbildung des Praxisinhabers, der Mitarbeiter, entsprechende Qualifikationsnachweise wie Approbation und Kassenzulassung. Außerdem die Praxisvoraussetzungen und der Therapierahmen (räumliche und materielle Ausstattung, Lage, Betriebsablauf und Praxisorganisation, Kooperation, Erreichbarkeit).
  • Prozessqualität: Sie bezieht sich auf die Durchführungsbedingungen von Diagnostik und Therapie, von der telefonischen Kontaktaufnahme, über Erstgespräch und Diagnostik, bis zur Durchführung und Beendigung der Psychotherapie. Relevante Aspekte sind dabei zum Beispiel Supervision, theoretische Reflexion, Fort- und Weiterbildung, also Bedingungen, die geeignet sind, eine hohe Qualität im Prozess der psychotherapeutischen Versorgung zu gewährleisten (siehe Kasten).
  • Ergebnisqualität: Sie beschreibt, inwieweit die Therapie die gewünschten Ziele erreicht oder dazu beigetragen hat. Im Bereich Evaluation bietet es sich an, auf Vorlagen beziehungsweise Vorschläge der Kammern, der einzelnen Berufsverbände, einschlägige Fachliteratur oder auf selbst entwickelte Vorlagen zurückzugreifen.

Im Bereich der Praxisführung/Mitarbeiter/Organisation sollen die Verantwortlichkeiten klar geregelt werden. Das Praxismanagement soll ebenso optimiert werden wie die internen und externen Kommunikationsprozesse. Dazu sollen Qualitätsziele festgelegt, umgesetzt und überprüft werden sowie Prozess-/Ablaufbeschreibungen und Durchführungsanleitungen erstellt werden. Außerdem soll es Patientenbefragungen sowie ein Beschwerde- und Notfallmanagement geben, das umfassend dokumentiert werden soll. Jeder Psychotherapeut, der vor dem 1. Januar 2006 eine Niederlassung hatte, müsste inzwischen ein sogenanntes „praxisinternes Qualitätsmanagementsystem“ eingeführt haben. Wenngleich der Anteil der Praxen, die ein QM-System tatsächlich eingeführt haben, noch relativ gering zu sein scheint.

In den Richtlinien des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses wurde zudem festgelegt, dass ein solches System fortlaufend aktualisiert, korrigiert oder angepasst werden soll. Alle Psychotherapeuten haben ab dem Zeitpunkt der Niederlassung drei Jahre Zeit, sich mit den Fragen rund um QM vertraut zu machen, sich für ein System zu entscheiden und dieses praxisintern umzusetzen.

In Qualität steckt für viele Kolleginnen und Kollegen auch das Wort Qual. Qualitätsmanagement ist nicht einfach, aber es ist handhabbar. Wenn man es ernst nimmt und nicht nur formal abhakt, macht es auch Sinn. Denn man lernt seine Praxis aus einem anderen Blickwinkel anzuschauen und angemessene Strukturen und Lösungen zu entwickeln. Außerdem gibt es inzwischen eine Vielzahl von verschiedenen Qualitätsmanagement-Systemen, die zum Teil für Psychotherapie-Praxen umgestrickt worden sind. Die bekanntesten sind:

  • QEP – Qualität und Entwicklung in Praxis (KBV) (www.kbv.de/media/sp/PraxisWissen_Qualitaetsmanagement.pdf)
  • KPQM (KV-Westfalen-Lippe): https://www.kvwl.de/arzt/qsqm/management/index.htm
  • kv.no (KV-Nordrhein): https:// www.kvno.de/10praxis/50qualitaet/40qualmanage/
  • EFQM: Basismodell von QM – Selbstbewertung:
    http://www.efqm.de/
  • KTQ-ambulant: http://www.aerztefuehrer.de/qm-arztpraxis/qm-modelle/ktq.htm

Qualitätsmanagement ist für psychotherapeutische Privatpraxen und für den nicht-klinischen Bereich derzeit nur empfohlen, also noch nicht verpflichtend. Natürlich sollte auch dort die Praxis hohen Qualitätsstandards entsprechen und der Inhaber qualitätssichernde Maßnahmen ergreifen. Wie man die Anforderungen umsetzen kann, zeigen auch die folgenden Praxisbeispiele und Tipps der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: http://daebl.de/CP35

Dipl.-Psych. Werner Gross,
Psychologisches Forum Offenbach (PFO), E-Mail: pfo-mail@t-online.de

Muster-Berufsordnung zum Thema

§ 15 Fortbildungspflicht

Psychotherapeuten, die ihren Beruf ausüben, sind verpflichtet, entsprechend der Fortbildungsordnung der Landespsychotherapeutenkammern ihre beruflichen Fähigkeiten zu erhalten und weiterzuentwickeln. Sie müssen ihre Fortbildungsmaßnahmen auf Verlangen der Kammer nachweisen.

§ 16 Qualitätssicherung

(1) Psychotherapeuten sind dafür verantwortlich, dass ihre Berufsausübung aktuellen Qualitätsanforderungen entspricht. Hierzu haben sie angemessene, qualitätssichernde Maßnahmen zu ergreifen.

(2) Dies schließt gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen für Mitarbeiter ein.

(3) Psychotherapeuten müssen diese Maßnahmen gegenüber der Kammer nachweisen können.

Aus der Muster-Berufsordnung der Bundes­psycho­therapeuten­kammer

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