ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2018Psychotherapie und Selbsthilfe: Wunsch nach männerspezifischen Angeboten

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Psychotherapie und Selbsthilfe: Wunsch nach männerspezifischen Angeboten

PP 17, Ausgabe Juni 2018, Seite 280

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Wie gehen Männer und Frauen mit Stress und psychischen Belastungen um? Bei wem suchen sie Hilfe? Diesen Fragen ist ein Team britischer Gesundheitspsychologen um Louise Liddon von der Northumbria University (GB) nachgegangen. Anhand einer Internetbefragung von 115 Männern und 232 Frauen fanden sie heraus, dass die befragten Frauen bei Stress versuchten, ihre Emotionen durch Essen, Medikamente und Gespräche zu regulieren, wohingegen die männlichen Teilnehmer sich mithilfe von Sexualität sowie Video- und Internetspielen zerstreuten. Beide Gruppen konsumierte teilweise auch Alkohol und Drogen, wobei es keine Geschlechterunterschiede gab. Die befragten Männer waren generell weniger bereit als die Frauen, sich bei psychischen Problemen therapeutische Hilfe zu suchen. Im Hinblick auf das Setting bevorzugten die Männer Therapie- und Selbsthilfegruppen, während die Frauen Einzeltherapie den Vorzug gaben. Zwei Drittel der Befragten hatte keine Präferenz hinsichtlich des Therapeutengeschlechts. Das restliche Drittel bevorzugte einen weiblichen Therapeuten, nur wenige einen männlichen. Die Zurückhaltung, sich in Therapie zu begeben, führten die befragten Männer auf das Männlichkeitsstereotyp zurück, wonach ein Mann nicht über Probleme spricht und alleine damit klarkommt. „Die Männer bemängelten, dass es zu wenige Hilfsangebote gibt, die spezifisch auf Männer eingehen“, so Liddon und Kollegen. Die Autoren halten es für möglich, dass sich mehr Männer bei psychischen Problemen Hilfe suchten, wenn sie gezielt angesprochen würden. Sie empfehlen Psychologen und Psychotherapeuten, in manchen Bereichen, etwa beim Umgang mit Stress und Belastungen oder bei Präferenzen für Therapiesettings, das Geschlecht zu berücksichtigen, um gezielter auf Patienten eingehen zu können. ms

Liddon L, Kingerlee R, Barry J: Gender differences in preferences for psychological treatment, coping strategies, and triggers to help-seeking. British Journal of Clinical Psychology 2018; 57 (1): 42–58.

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