ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2018Medien: Serienrausch mit Suchtcharakter

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Medien: Serienrausch mit Suchtcharakter

PP 17, Ausgabe Juni 2018, Seite 281

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Streamingdienste im Internet ermöglichen es, mehrere Folgen einer TV-Serie hintereinander und ohne Unterbrechung zu schauen, weil nach dem Ende einer Folge sofort die nächste beginnt. Dies bewirkt bei viele Zuschauern, dass sie sich nicht vom Bildschirm lösen können und viele Stunden davor verbringen. Britische und kanadische Wissenschaftler um Justin Presseau von der University of Ottawa (Kanada) interessierten sich dafür, welche Auswirkungen das Dauerschauen von Serien hat. Anhand einer Onlinebefragung mit 86 Teilnehmern stellten sie fest, dass es weit verbreitet ist und mindestens einmal pro Woche auftritt. „Es ist oft nicht beabsichtigt, sondern geschieht automatisch und ohne darüber nachzudenken“, berichten die Autoren. In Schnitt werden drei Folgen hintereinander angesehen und drei Stunden vor dem Bildschirm verbracht. Die Befragten berichteten, dass sie es anschließend oft bereuten, wenn sie sich dem Serienrausch hingegeben hatten, denn es hielt sie davon ab, wichtigere Dinge zu erledigen. Nach Meinung der Autoren kann das ununterbrochene Anschauen von Serien süchtig machen. Um Suchttendenzen zu verhindern, sollte laut den Autoren den Betroffenen bewusst gemacht werden, was sie durch ihr Verhalten vernachlässigen oder nicht erreicht haben. Außerdem sollen sie darauf hingewiesen werden, dass sie es anschließend bereuen werden, dass sie sich dem Sog der Dauersendung nicht entzogen haben. Durch diese Interventionen kann die Selbstkontrolle erhöht werden, die dazu beiträgt, den Fernseher oder Computerbildschirm rechtzeitig auszuschalten. ms

Walton-Pattison E, Dombrowski S, Presseau J: „Just one more episode“: Frequency and theoretical correlates of television binge watching. Journal of Health Psychology 2018; 23 (1): 17–24.

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