ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2018Stalking: Psychotherapeuten werden häufig Opfer

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Stalking: Psychotherapeuten werden häufig Opfer

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Psychiater und Psychotherapeuten werden häufig Opfer von Stalking. Deutsche Wissenschaftler um Peter Praus vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim haben anhand einer Onlinebefragung untersucht, welche Stalkingerfahrungen sie gemacht haben. Von den 311 Teilnehmern wurde etwa jeder Vierte (82 Personen) schon einmal von Patienten angerufen, aufgelauert, verfolgt, bedroht oder tätlich angegriffen. Männliche Therapeuten wurden vor allem von weiblichen Patienten gestalkt, weibliche Therapeuten von männlichen und weiblichen Patienten gleichermaßen. Zehn Prozent der Betroffenen setzten die Behandlung des Täters trotz Stalking fort. Von den Tätern war etwas mehr als die Hälfte weiblich. „Die Mehrheit der Täter litt an einer psychotischen Störung oder einer Persönlichkeitsstörung“, so die Autoren. Neben diesen Krankheitsbildern kann ein Grund für das Stalking sein, dass die professionelle Empathie und Aufmerksamkeit des Therapeuten als romantisches Beziehungsangebot missverstanden wird. Darüber hinaus kann Stalking durch Liebeswahn oder Kränkung motiviert sein, die entsteht, wenn die Beendigung einer Therapie als Zurückweisung gedeutet wird. 27 Prozent der Betroffenen empfanden das Stalking als mäßig belastend, 44 Prozent als stark belastend. Bei einem Drittel führte das Stalking zu psychischen Beeinträchtigungen wie Angst oder Schlafstörungen. Bei jedem Zehnten kamen körperliche Beschwerden und sozialer Rückzug hinzu. Lediglich 23 Prozent meldeten das Stalking polizeilich.

Nur ein Drittel der Betroffenen wurden vom Arbeitgeber, falls das Stalking in einer Institution oder einem Krankenhaus erfolgte, unterstützt. Die Autoren bemängeln den geringen Rückhalt der Arbeitgeber bei Stalking und sehen in diesem Punkt Verbesserungsbedarf. ms

Praus P, Riedel-Heller S, Dressing H: Stalking von Psychiatern und Psychotherapeuten. Nervenarzt 2018; 89(1): 58–63

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