ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenPneumologie & Allergologie 2/2018Lungenkrebs: Netzwerk soll Versorgung von Patienten verbessern

Supplement: Perspektiven der Pneumologie & Allergologie

Lungenkrebs: Netzwerk soll Versorgung von Patienten verbessern

Dtsch Arztebl 2018; 115(24): [15]; DOI: 10.3238/PersPneumo.2018.06.15.003

Zylka-Menhorn, Vera

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15 universitäre Krebszentren schließen sich im „nationalen Netzwerk Genomische Medizin Lungenkrebs“ zusammen mit dem Ziel, Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs den Zugang zu molekularer Diagnostik und innovativen Therapien zu ermöglichen.

Patienten mit Bronchialkarzinom profitieren dank der Fortschritte in der Genomforschung mehr und mehr von personalisierten Therapien. Diese setzen aber eine umfassende molekulare Untersuchung voraus. Hierauf basierend können dann bei einem Teil der Patienten sogenannte Treibermutationen gezielt angegangen werden. Auch für die Immuntherapie werden zunehmend prädiktive molekulare Marker charakterisiert, die einen gezielteren Einsatz dieser neuen Therapieform ermöglichen.

Bei der häufigen Form des nichtkleinzelligen Lungenkrebses (NSCLC) existieren laut dem Netzwerk beispielsweise mittlerweile für circa 25 % der Patienten in inoperablen Tumorstadien zielgerichtete Therapien – hochgerechnet für Deutschland entspreche dies mehr als 7 000 Patienten. „Wir müssen diese komplexen Innovationen schnell zu den Patienten bringen und dafür brauchen wir überall in Deutschland kompetente Brückenköpfe“, so der Sprecher des „nationalen Netzwerks Genomische Medizin (nNGM) Lungenkrebs“, Prof. Dr. med. Jürgen Wolf, Leiter des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO) an der Uniklinik Köln. Die Ziele des nNGM-Verbundes sind:

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  • bundesweit einheitliche molekulare Multiplexdiagnostik und einheitliche Qualitätssicherung durch die onkologischen Spitzenzentren;
  • regionale Netzwerkstruktur mit Zugang für alle Patienten;
  • einheitliche Therapieempfehlungen zu den erhobenen molekularen Befunden;
  • Aufbau einer gemeinsamen Dokumentations- und Evaluationsstruktur;
  • Zusammenarbeit mit Kostenträgern zur Entwicklung einer einheitlichen Erstattungssystematik;
  • Abstimmung bei der Durchführung klinischer Studien;
  • gemeinsame Entwicklung translationaler Forschungsprojekte.

Das nNGM ist eine Weiterentwicklung des Kölner Netzwerks Genomische Medizin, das sich seit 2010 erfolgreich für die Implementierung personalisierter Therapien in der Routineversorgung von Patienten mit Lungenkrebs einsetzt. Wolf ist zusammen mit Prof. Dr. med. Reinhard Büttner, Direktor der Pathologie an der Uniklinik Köln, Gründer und Sprecher von nNGM. Beide bilden mit Prof. Dr. med. Christof von Kalle, Direktor des Nationalen Tumorcentrums und Leiter der Abteilung für Translationale Onkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz) in Heidelberg, das Koordinationsteam des neuen Netzwerks.

Die neuen personalisierten Therapien sind laut dem Netzwerk der herkömmlichen Chemotherapie hinsichtlich Tumorkontrolle, Verträglichkeit, progressionsfreiem Überleben und Gesamtüberleben deutlich überlegen. Entscheidend sei jedoch, dass sie bei den richtigen Patienten zielgerichtet zum Einsatz kommen.

Für einen Teil der Patienten stünden bereits zugelassene Medikamente zur Verfügung, für einen weiteren Teil kämen Off-label-Therapien zum Einsatz. Weitere Möglichkeiten seien personalisierte Therapien im Rahmen klinischer Studien. Für Erkrankungen ohne Treibermutationen drängten die Immuncheckpoint-Inhibitoren in die klinische Anwendung. „Wir werden künftig auch immer häufiger prädiktive diagnostische Verfahren wie Genmutationssignaturen anwenden, um bereits vor Verabreichung einschätzen zu können, bei wem die Substanzen besonders gut wirken“, erläuterte Büttner.

Kliniken und Praxen vernetzen

Im Rahmen des Netzwerkes sollen ausgehend von den universitären Spitzenzentren regionale Netzwerke aufgebaut werden, die Kliniken und Praxen zusammenführen. Die Spitzenzentren sollen die molekulare Diagnostik übernehmen und die regionalen Netzwerke zur therapeutischen Relevanz der Diagnostikergebnisse beraten. Die Behandlung der Patienten soll immer möglichst heimatnah bei den Kooperationspartnern stattfinden. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Vorhaben mit 2,94 Millionen Euro.

DOI: 10.3238/PersPneumo.2018.06.15.003

Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

Zu den 15 universitären Krebszentren des Verbundes gehören: Berlin, Dresden, Düsseldorf, Erlangen, Essen, Frankfurt/Main, Freiburg, Hamburg, Heidelberg, Köln/Bonn, Mainz, München, Tübingen-Stuttgart, Ulm und Würzburg.

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