ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2018Arzt und Ethos: Mehr direkter Kontakt zu Kranken
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Die Artikel zur medizinischen Ethik und die berechtigte kritische Sicht der jungen Ärzte zu den verfehlten Arbeitsbedingungen zeigen ein wesentliches Problem der medizinischen Ethik, die Frage nach der Motivation zur guten Handlung oder anders benannt zur Moralpsychologie. Ethische Theorien helfen uns wohl kaum weiter, zumal überschwemmungsartig Ethiker unsere Tätigkeit kritisch betrachten und unseren Alltag und die damit verbundenen Dilemmata nur unzureichend kennen, wie auch Bergdolt sinngemäß schreibt. Es gibt so viele einander wiedersprechende Ethiktheorien, dass das Gute in der Welt nicht allein dadurch entsteht und das Böse in der Welt nicht durch einen Mangel solcher Theorien existiert, zitiert nach Jürgen Kaube, Herausgeber der FAZ. Weshalb also helfen wir, bleiben regelmäßig über unsere Dienstzeiten hinaus bei unseren Kranken und verkürzen unsere geringe Freizeit durch Weitergabe von Kontaktdaten, Handynummern etc.? Weil wir intuitiv gut handeln, evolutionär und kulturell bedingt und durch beispielhaftes Verhalten geschult. Aus diesen Gründen kann eine junge Mutter auch eine vielleicht noch bessere Ärztin sein und dies schließt sich nicht aus, wie in dem Artikel „Die Jungen kommen“ behauptet wird. Es kommt nur darauf an, welche Strukturen unser Beruf für Halbtagstätigkeiten vorsieht.

Damit diese solidarische Haltung auch für die Gesellschaft insgesamt gestärkt und erhalten bleibt, ist es dringend notwendig, wieder ausreichend direkten Kontakt zu unseren Kranken zu haben und unsere Arbeitszeit beispielsweise nicht mit 40 % Verwaltungs- und Kodierungsaufgaben zu verbringen, noch mehr Ethikberatungen sind dazu nicht hilfreich, sondern endlich ein ordnungspolitisches Eingreifen. Ich nehme für mich diese Sicht von „unten“ in Anspruch nach fast 40 Jahren Krankenhaus und noch etwas Praxistätigkeit und mit vier Kindern, die in unserem Beruf tätig sind.

Prof. Dr. med. Gerhard Pott, MA (phil), 48529 Nordhorn

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