ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2018Vernachlässigte Tropenkrankheiten: Studie zeigt Forschungsbedarf

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Vernachlässigte Tropenkrankheiten: Studie zeigt Forschungsbedarf

Dtsch Arztebl 2018; 115(24): A-1162 / B-978 / C-974

Richter-Kuhlmann, Eva

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Die vernachlässigten Tropenkrankheiten stellen nach Ansicht der G7- und G20-Staaten eine globale Gesundheitsherausforderung dar. Auch Deutschland will seine Forschungsaktivitäten intensivieren. Die jetzt veröffentlichte Studie deutscher Tropenmediziner soll dabei die Grundlage bilden.

Lepra gehört zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten (NTD). Insgesamt sind dies parasitäre, bakterielle oder virale Infektionen, die in 149 Ländern endemisch auftreten und für die es zu wenige Medikamente gibt. Foto: laif
Lepra gehört zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten (NTD). Insgesamt sind dies parasitäre, bakterielle oder virale Infektionen, die in 149 Ländern endemisch auftreten und für die es zu wenige Medikamente gibt. Foto: laif

Selten sind sie nicht, die „vernachlässigten Tropenkrankheiten“ (Neclected Tropical Diseases – NTD): 1,9 Milliarden Menschen sind weltweit davon betroffen. Sie sind in Gefahr, arbeitsunfähig, blind und entstellt zu werden oder sogar zu sterben. Hierzulande spielen NTD jedoch fast gar keine Rolle. Betroffen sind stattdessen arme Bevölkerungsschichten in den Tropen und Subtropen, deren Not von der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommen wird.

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Nach den Treffen der G7- und G20-Staaten im vergangenen Jahr findet die Erarbeitung einer globalen Gesundheitsstrategie mehr Beachtung – auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Ziel ist es, die Aktivitäten in Forschung, Prävention und Behandlung auszuweiten und dafür zu sorgen, dass neue Medikamente und Impfstoffe entwickelt werden und die vorhandenen Möglichkeiten auch greifen.

Momentan sind die deutschen Forschungsaktivitäten zu den Vernachlässigten Tropenkrankheiten NTD allerdings noch sehr heterogen und zudem im internationalen Vergleich unterrepräsentiert. Zu diesem Ergebnis kommen deutsche Experten, die unter Federführung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) und im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erstmals die aktuelle deutsche Forschungslandschaft zu NTD analysiert haben.

Deutschland will Forschung künftig verstärken

Ihr Fazit: Deutschlands ansonsten starke internationale Forschungspräsenz sollte auf dem Gebiet der NTD ausgeweitet und dauerhafte Forschungskooperationen mit den von armutsbedingten Infektionskrankheiten betroffenen Ländern unterstützt werden. Während die biomedizinische Grundlagenforschung bezüglich NTD an deutschen Forschungsinstitutionen gut etabliert ist, besteht den Experten zufolge insbesondere bei der translationalen Forschung zur Kontrolle und Behandlung von NTD noch Nachholbedarf.

Den Status Quo analysierten 35 in Deutschland in der NTD-Forschung führende Wissenschaftler vom BNITM, dem Deutschen Netzwerk gegen Vernachlässigte Tropenkrankheiten, der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit sowie der Deutschen Gesellschaft für Parasitologie. Ihr Fachwissen bündelten sie in der Studie „Einschätzung des Beitrags deutscher Institutionen bei der Forschung zu vernachlässigten Tropenkrankheiten“, die seit Ende Mai im Internet verfügbar ist.

Der Initiator der Studie, Prof. Dr. med. Jürgen May, Leiter der Infektionsepidemiologie am BNITM, stellte die Studie bereits Ende April im Bun­des­for­schungs­minis­terium vor: „Wir brauchen neue Ansätze und Formen der Zusammenarbeit, um innovative One-Health-Forschung durchzuführen, in der die Bekämpfung von NTD eingebettet ist“, sagte er. „Viele der NTDs sind Erkrankungen, die weitverbreitet auftreten und chronische Verläufe haben. Ihre Behandlung und Bekämpfung schwächt die Gesundheitssysteme der betroffenen Länder“, erläuterte May. Künftige Bemühungen im Bereich der Globalen Gesundheit sollten sich daher nicht auf die Abwehr von akuten Epidemien beschränken, sondern NTD einbeziehen. Die Studie soll die Grundlage für ein künftiges stärkeres Engagement der Bundesregierung für die Globale Gesundheit darstellen. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Die Studie im Internet:
http://daebl.de/ZA22

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