ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2018Elektronische Gesundheitsakte: Noch Verständigungsprobleme

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Elektronische Gesundheitsakte: Noch Verständigungsprobleme

Dtsch Arztebl 2018; 115(24): A-1145

Schmedt, Michael

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Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur
Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur

Konkurrenz belebt das Geschäft. Das gilt erst recht für die schnelllebige Digitalisierung. Nicht von ungefähr ist das Silicon Valley das Mekka der Start-ups und der mächtigen Internetgiganten wie Apple, Google, Amazon und Facebook. Davon ist die Digitalisierung in Deutschland noch weit entfernt. Die elektronische Gesundheitskarte, die Tele­ma­tik­infra­struk­tur und die elektronische Patientenakte (ePA) sind die digitalen Sorgenkinder im deutschen Gesundheitswesen, deren Entwicklung nur schleppend vorankommt. In Sachen ePA machen die Krankenkassen Druck, allerdings mit einer abgewandelten Form, der elektronischen Gesundheitsakte (eGA). Diese bieten die Kran­ken­ver­siche­rungen ihren Mitgliedern als Satzungsleistung zur Kundenbindung an.

Dass in der vergangenen Woche nun eine (überraschende) Kooperation von Krankenkassen und Privatversicherern eine dritte große Entwicklung zu einer eGA – nach der Techniker Krankenkasse und der AOK – vorgestellt hat, ist aus Wettbewerbsgedanken positiv (Seite 1158). Diese Akten können viel und haben sicher einen Mehrwert für die Patienten. Aber sie haben auch ein großes Manko: Sie verstehen sich untereinander kaum und erst recht nicht mit der im E-Health-Gesetz vorgesehenen ePA. Interoperabilität? Weiterhin Fehlanzeige.

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Dass die beiden Akten Verständigungsprobleme haben, überrascht nicht. Die Krankenkassen konzipieren solch ein Produkt aus Sicht ihrer Kunden, während die vom Gesetzgeber eingeforderte ePA für Arzt und Patient gleichermaßen sinnvoll sein soll. Daher ist es unabdingbar, dass es eine einheitliche Struktur gibt, die als Blaupause für jede Akte gilt. Die gematik (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte) erarbeitet derzeit eine entsprechende Spezifikation. Dies ist insbesondere für den Arzt wichtig, damit er in seinem beruflichen Alltag nicht mit einer Vielzahl an Akten und Zugangswegen konfrontiert wird. Ein erster positiver Schritt zur einfachen Kommunikation ist eine Open-Source-Schnittstelle für die sichere Kommunikation aus dem Praxisverwaltungssystem (PVS) zu mobilen Endgeräten, die die KV Telematik entwickelt. Der Arzt versendet aus dem PVS via KV Konnect direkt einen verschlüsselten eArztbrief mit angebundenen Befunden et cetera. Der Patient benötigt nur eine App, die die Schnittstelle umgesetzt hat.

Dennoch bleibt ein gewisses Wirrwarr von ePA, eGA und ePF (Patientenfach), das man auflösen muss. Denn jeder versteht etwas anderes darunter. Gemeinsam muss man nach geeigneten Lösungen suchen. So hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung Vertreter des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums und der drei großen Anbieter von elektronischen Gesundheitsakten eingeladen, um über diese Problematik zu diskutieren. Das könnte ein Anfang zum Entschlacken der „Aktenlage“ sein. Am Ende geht es nur darum, dass der Arzt rechtssicher und schnell auf Daten zugreifen und bestmöglich behandeln kann und der Patient umfassend informiert und Herr seiner Daten ist. Gut umgesetzt stärkt dies das Arzt-Patienten-Verhältnis.

Wohin die Reise auch gehen kann, macht wieder mal das Silicon Valley deutlich. Schon seit vergangenem Jahr kann man Amazons Sprachassistentin Alexa gesundheitsbezogene Fragen stellen. Jetzt soll die Abteilung um Alexa noch um ein Gesundheitsteam erweitert werden. Fragen Sie ihren Arzt oder ihre Sprachassistentin möchte man in der Werbung sicher nicht hören.

Michael Schmedt
Stellv. Chefredakteur

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