ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2018Lauwarmes Leitungswasser
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Die Wund-Epithelisierung ist bereits 48 Stunden nach der Operation abgeschlossen – bei korrekter Adaptation der Wundränder. Zu Wundinfektionen direkt postoperativ kommt es durch Keime, die intraoperativ in die Tiefe gelangten, also nicht sekundär in die Tiefe eindrangen. Damit ist Duschen bereits 48 Stunden nach Operation möglich.

Die Inzidenz von Blasenbildung durch Verbände liegt bei 15–35 %. Damit müsste die Frage aufkommen, warum nicht Verbände nach OP weglassen und nur „locker“ das Wundgebiet mit Kompresse/Gazestreifen abdecken? Das erleichtert die klinische Kontrolle bezogen auf Infektionen oder Nachblutungen.

Dazu klinische Erfahrungen aus der Geburtsmedizin an zwei universitären Kliniken in 35 Jahren: Verletzungen infolge Geburt im Vulva- und Vaginal-Bereich liegen nahe am Anus. Wird der Sphinkter ani zerstört, dann kommt Dickdarminhalt in die Risswunden. Die Wundverhältnisse erschweren optimale Adaptation der Wundränder. Nach teils langwieriger Wundversorgung ist eine Abdeckung dieses Areals wegen der anatomischen Situation nicht möglich. Trotzdem verläuft die Heilung in der Regel problemlos – auch ohne Antibiotika-Einsatz.

Die lokale Wundpflege besteht aus Spülungen mit lauwarmem Leitungswasser der öffentlichen Wasserversorgung. Letztere ist bei uns gut kontrolliert und erübrigt vorheriges „Abkochen“ des Wassers.

Bei Sectio, heute der Geburtsmodus bei jeder dritten Frau, lassen sich die Schnittwunden optimal adaptieren und die Bauchdecke vor OP optimal desinfizieren – bei in der Regel jungen gesunden Frauen. Dann reicht im OP „loses“ Auflegen einer Kompresse, die das ganze Wundgebiet abdeckt, für 24 und 48 Stunden. Drei Tage später erfolgt Klinikentlassung.

Fazit: Obiges Vorgehen ist patientenorientiert und preisgünstig, Wundversorgungskonzepte der Industrie sind dagegen recht teuer. Vergleichsstudien sind angezeigt.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0427b

Prof. Dr. med. J. Matthias Wenderlein

Universität Ulm

wenderlein@gmx.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Bredow J, Hoffmann K, Oppermann J, Hellmich M, Eysel P, Zarghooni K: Evaluation of absorbent versus conventional wound dressing—
a randomized controlled study in orthopedic surgery. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 213–9 VOLLTEXT
1.Bredow J, Hoffmann K, Oppermann J, Hellmich M, Eysel P, Zarghooni K: Evaluation of absorbent versus conventional wound dressing—
a randomized controlled study in orthopedic surgery. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 213–9 VOLLTEXT

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