ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2018Krankenhäuser: Menschen zweiter Klasse
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Der AOK-Bundesverband fordert für Kliniken eine Mindestgröße von 500 Betten! Was bedeutet das zum Beispiel für den ländlichen Raum: Mein Heimatlandkreis Nürnberger Land hat ca. 170 000 Einwohner und derzeit noch drei Krankenhäuser im Besitz des Klinikums Nürnberg. Ein inneres Belegkrankenhaus mit 66 Betten soll in vier Jahren geschlossen werden, dafür soll es ca. 40 Zusatzbetten im Krankenhaus Lauf geben. Derzeit umfassen alle Häuser ca. 350 Betten. Die Forderung des AOK-Bundesverbandes würde bedeuten: In diesem Landkreis gibt es dann kein Krankenhaus! Entfernung zu den Großkliniken in Nürnberg, Erlangen, Amberg ca. 20 bis 60 km. Noch viel schlimmer sieht es für noch dünner besiedelte Regionen aus wie Bayerischer Wald, Uckermark u. Ä. Auch hier leben Menschen! Auch sie haben Anspruch auf eine wohnortnahe stationäre Versorgung. Auch sie wollen ohne übermäßigen Zeit- und Geldaufwand ihre Angehörigen im Krankenhaus besuchen. Auch die Patienten brauchen den Besuch von Angehörigen. Ich spreche aus über 40 Jahren Erfahrung klinischer Tätigkeit, davon 36 Jahre als kooperativtätiger Belegarzt. Ich kenne die Auswirkungen auf die Psyche der Patienten und der Familie. Besteht die Landbevölkerung aus Sicht des Bundesverbandes der AOK aus Menschen zweiter Klasse?

Die Politik fordert, die Lebensqualität im ländlichen Raum zu fördern. Wie passt dies zusammen. Ich bin der Auffassung: Die Bevölkerung, vor allem unsere zuständigen Gesundheitspolitiker, sollten sich gegen diesen lebensfremden Unsinn mit aller Kraft wehren.

Dr. med. Klaus Reichel, 91217 Hersbruck

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