ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2018Hämatologische Malignome: Kognitive Einschränkungen mit schlechterer Überlebensrate assoziiert

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hämatologische Malignome: Kognitive Einschränkungen mit schlechterer Überlebensrate assoziiert

Dtsch Arztebl 2018; 115(25): A-1222 / B-1029 / C-1021

Gerste, Ronald D.

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Foto: simarik/iStockphoto
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Demenz unterschiedlicher Formen und Stadien liegt bei 14 % der amerikanischen Bevölkerung im Alter
≥ 70 Jahren vor und die Inzidenz wird sich Schätzungen zufolge bis zum Jahr 2050 verdreifachen. Intakte kognitive Funktionen sind für Patienten mit hämatologischen Malignomen besonders wichtig: Viele Therapieschemata sind komplex und bedürfen der Kooperation und des Verständnisses der Patienten. Auch können einige der therapeutisch eingesetzten Wirkstoffklassen wie Kortikosteroide, Benzodiazepine und Anticholinergika mentale und intellektuelle Funktionen potenziell zusätzlich einschränken.

Eine Studiengruppe aus Boston hat 360 Patienten mit hämatologischen Krebserkrankungen auf kognitive Einschränkungen untersucht. Die im Durchschnitt 80 Jahre alten und zu knapp 2 Drittel männlichen Patienten litten vor allem an Leukämien und verschiedenen Formen des Lymphoms. Eine Frage an die Patienten war, ob sie den Grund für den Klinikaufenthalt kennen. Zu den Untersuchungsmethoden gehörten der Clock-in-the-box-Test (CIB), bei dem der Proband eine Uhr mit bestimmter Zeigerstellung zeichnen muss, und der 5-word-delayed-recall-Test, bei welchem die Teilnehmer 5 gesprochene Worte wiederholen mussten – sofort und einige Minuten später, nachdem sie durch den Uhrentest abgelenkt waren.

Die Auswertung des CIB ergab Hinweise auf eine exekutive Dysfunktion bei 35,3 % der Patienten. Eine mögliche Einschränkung des Arbeitsgedächtnisses (working memory) hatten nach dem Wortwiederholungstest 17,2 %. Die Studienautoren fanden Hinweise auf eine Assoziation solch kognitiver Einschränkungen mit dem Gesamtüberleben. Das mittlere Überleben betrug bei Patienten mit Störungen des Arbeitsgedächtnisses 10,9 Monate (SD: 12,9) vs. 12,2 (SD: 14,7) Monate (p < 0,001). Nach statistischer Adjustierung für Alter, Komorbiditäten und Aggressivität der Grunderkrankung wurde für Patienten mit Einschränkung des Arbeitsgedächtnisses die schlechteste Überlebensrate errechnet (Odds Ratio: 0,6; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [0,13; 0,50]). Eine exekutive Dysfunktion war hingegen nur bei jenen Patienten mit einer Reduktion der Überlebenszeit assoziiert, die eine Intensivtherapie erhielten.

Fazit: Bestimmte Formen kognitiver Dysfunktionen treten bei älteren Patienten mit Blutkrebserkrankungen gehäuft auf und könnten prädiktive Bedeutung für die Prognose haben. Dr. med. Ronald D. Gerste

Hshieh TT, Jung WF, Grande LJ, et al.: Prevalence of cognitive impairment and association with survival among older patients with hematologic cancers. JAMA Oncol 2018; doi: 10.1001/jamaoncol.2017.5674.

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