ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2018Mammakarzinom bei jüngeren Patientinnen: Prognose bei Frauen mit BRCA-Mutation ist nicht schlechter als ohne Mutation

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Mammakarzinom bei jüngeren Patientinnen: Prognose bei Frauen mit BRCA-Mutation ist nicht schlechter als ohne Mutation

Dtsch Arztebl 2018; 115(25): A-1223 / B-1030 / C-1022

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com
Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com

Nur circa 5 % aller Mammakarzinome werden bei Frauen unter 40 Jahren diagnostiziert. Ein hoher Anteil der Tumoren in dieser Altersgruppe ist durch Mutationen im BRCA1- oder im BRCA2-Gen ausgelöst. Mutationsträgerinnen haben ein erhöhtes Risiko für sekundäre Tumoren der Ovarien und der kontralateralen Brust. Frühere Studien und Metaanalysen lieferten widersprüchliche Daten zur Frage, ob sich die Prognose von Brustkrebspatientinnen mit und ohne pathogene BRCA-Mutationen unterscheidet: Zum Teil waren die Ergebnisse vergleichbar, zum Teil besser, zum Teil schlechter.

In der prospektiven Kohortenstudie POSH wurde der Effekt der BRCA-Mutationen auf das Therapieergebnis von Frauen untersucht, die bei Diagnose an 127 britischen Zentren maximal 40 Jahre alt waren. Von den 2 733 Teilnehmerinnen hatten 338 (12 %) eine BRCA-Mutation (BRCA1: 201; BRCA2: 137). 20 % der Malignome (558/2 733) waren triple-negativ. Bei BRCA1-Mutation betrug der Anteil tripe-negativer Karzinome 61 %. 89 % der Frauen der Gesamtgruppe hatten zusätzlich zur chirurgischen Behandlung eine Chemotherapie erhalten, meist mit Anthrazyklinen, auch in Kombination mit Taxanen. Die Dauer der prospektiven Beobachtung lag bei median 8,2 Jahren. Prophylaktische Operationen waren im Diagnosezeitraum von 2000 bis 2008 kein Therapiestandard.

Karzinome in der kontralateralen Brust wurden in der Studie bei 18 % der BRCA1-Genmutationsträgerinnen diagnostiziert, bei 12 % der Frauen mit BRCA2-mutierten Malignomen und bei 4 % ohne Mutation. 678 Studienteilnehmerinnen starben, davon 651 an Brustkrebs.

In den risikoadjustierten Überlebensraten, dem primären Endpunkt, gab es keine signifikanten Unterschiede nach 2 Jahren (97,0 % bei BRCA+-vs. 96,6 % bei BRCA-Teilnehmerinnen), die 5-Jahres-Überlebensraten lagen jeweils bei 83,8 vs. 85,0 % und die 10-Jahres-Überlebensraten bei 73,4 vs. 70,1 %. Die Hazard Ratio (HR) für krebsbedingten Tod betrug 0,96 bei BRCA-Mutation vs. BRCAMalignome (95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [0,76; 1,22]; p = 0,76). Bei triple-negativen Tumoren war die Überlebensrate bei BRCA-Positivität mit 95 % höher als bei Frauen ohne BRCA-Mutationen mit 91 % (HR: 0,59; [0,35; 0,99]; p = 0,047). Nach 5 und 10 Jahren waren die Differenzen aber nicht mehr signifikant (81 vs. 74 % und 72 vs. 69 %; p = 0,12). Der Überlebensvorteil nach 2 Jahren war nicht auf bilaterale Mastektomien zurückzuführen. 107 Patientinnen hatten sich prophylaktisch beide Brüste abnehmen lassen.

Fazit: Junge Brustkrebspatientinnen mit BRCA-Mutation haben eine vergleichbar gute Überlebenschance wie Frauen ohne Mutation, BRCA-Genmutationsträgerinnen mit triple-nagativem Mammakarzinom in den ersten Jahren nach Diagnose sogar eine etwas bessere. Als Grund wird eine erhöhte Sensitivität für neoadjuvante Chemotherapien vermutet. „Frühere retrospektive Studien hatten einen Überlebensvorteil bei Frauen mit BRCA+-Tumoren durch bilaterale Mastektomie ergeben“, kommentiert Prof. Dr. med. Peter A. Fasching von der Universität Erlangen. „Die Daten der POSH-Sudie liefern eher Hinweise, wenn auch keinen Beweis dafür, dass sich junge Brustkrebspatientinnen mit BRCA-Mutation Zeit nehmen können, um informiert zu entscheiden, ob sie eine bilaterale Mastektomie wünschen oder nicht.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Copson ER, Maishman TC, Tapper WJ, et al.: Germline BRCA mutation and outcome in young-onset breast cancer (POSH): a prospective cohort study. Lancet Oncol 2018; 19: 169-80.

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