ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2018Zulassung zum Medizinstudium: Wartezeitquote entfällt

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Zulassung zum Medizinstudium: Wartezeitquote entfällt

Dtsch Arztebl 2018; 115(25): A-1197 / B-1007 / C-1003

Richter-Kuhlmann, Eva

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Die Kultusministerkonferenz hat die Eckpunkte des neuen Staatsvertrags zur Vergabe von Medizinstudienplätzen verabschiedet. Das bisherige Vergabeverfahren wird aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts reformiert.

Die Zulassung zum Medizinstudium muss bis zum 31. Dezember 2019 neu geregelt sein. Foto: picture alliance/ZB
Die Zulassung zum Medizinstudium muss bis zum 31. Dezember 2019 neu geregelt sein. Foto: picture alliance/ZB

Allein durch langes Warten wird künftig kein Abiturient mehr einen Medizinstudienplatz erhalten. Die Kultusminister der Länder verständigten sich am 15. Juni während ihrer Kultusministerkonferenz (KMK) in Erfurt darauf, die Wartezeitquote – über die bisher 20 Prozent der Medizinstudienplätze vergeben werden – als Zugangsweg zum Medizinstudium zu streichen. Für Anwärter, die jetzt bereits lange auf einen Studienplatz warten, sollen Möglichkeiten „der Bonierung von Wartezeit und die Berücksichtigung der in der Wartezeit erworbenen Qualifikationen und Kompetenzen“ in anderen Quoten geprüft werden, heißt es.

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Anlass für diese Entscheidung der KMK ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Dezember vergangenen Jahres. Die Karlsruher Richter hatten die derzeitige Vergabe von Medizinstudienplätzen als teilweise verfassungswidrig beanstandet und gefordert, das Vergabesystem bis Ende 2019 neu zu regeln. Dabei kritisierten sie insbesondere die zu langen Wartezeiten auf einen Medizinstudienplatz von bis zu acht Jahren. Am hohen Einfluss der Abiturnote auf das Vergabesystem störten sie sich zwar grundsätzlich nicht, forderten aber eine Vergleichbarkeit der Abiturnote zwischen den Ländern sowie die Einbeziehung weiterer Auswahlkriterien in die Auswahlverfahren der Hochschulen.

Neuer Staatsvertrag bis 2019

Für die geforderte Neuregelung muss nun ein neuer Staatsvertrag zwischen den Ländern geschlossen werden. Ein erster Entwurf soll im Herbst 2018 vorliegen; die Eckpunkte verabschiedete die KMK jetzt: Während die Wartezeitquote gestrichen wird, soll die 20-Prozent-Quote für die Vergabe der Studienplätze an die Bewerber mit den besten Abiturnoten beibehalten werden. Dabei soll für eine Übergangszeit die vom Bundesverfassungsgericht geforderte annähernde Vergleichbarkeit der Abiturnoten aller Länder über einen Ausgleichsmechanismus sichergestellt werden. Dieser werde entbehrlich, wenn die annähernde Vergleichbarkeit aufgrund politischer Maßnahmen im Schulbereich hergestellt sei, so die KMK.

Erhalten werden die Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH). Für diese sollen jedoch neben der Abiturnote mindestens zwei weitere eignungsbasierte Kriterien herangezogen werden. Welche das sind und wie diese Kriterien zu gewichten sind, will die KMK noch in diesem Jahr entscheiden. Bewusst sind sich die Minister des engen Zeitplans und der damit verbundenen technischen Schwierigkeiten: Die Programmierung sei in der vom Bundesverfassungsgericht gesetzten Frist nicht vollständig zu leisten, ließ die KMK verlauten. Es soll deshalb ab dem Sommersemester 2020 für ein Jahr eine Übergangslösung geschaffen werden. Bei dieser soll auf die Auswahlkriterien verzichtet werden, die einen Datenaustausch zwischen den Hochschulen und der Stiftung für Hochschulzulassung erfordern.

Trotz der Unwägbarkeiten zeigten sich die Bundes­ärzte­kammer (BÄK), der Medizinische Fakultätentag (MFT) und die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) erfreut über den Beschluss der KMK. „Es ist es gut, dass sich die Kultusminister zu weiteren Auswahlkriterien neben der Abiturnote bekennen“, sagte BÄK-Präsident Prof. Dr. med Frank Ulrich Montgomery. Der Wegfall der Wartezeitquote mache zudem das Vergabeverfahren deutlich fairer und transparenter, meinte MFT-Generalsekretär Dr. Frank Wissing. Aus dem Provisorium der Übergangsphase dürfe aber kein Dauerzustand werden. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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