ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2018Neue Pflegeausbildung: Streitigkeiten zunächst beigelegt

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Neue Pflegeausbildung: Streitigkeiten zunächst beigelegt

Dtsch Arztebl 2018; 115(25): A-1210 / B-1018 / C-1013

Osterloh, Falk

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Der Zwist in der Regierung über die Inhalte der neuen Pflegeausbildung setzt sich auch in dieser Legislaturperiode fort. Während die SPD für ein hohes Ausbildungsniveau eintritt, möchte die Union Hauptschüler nicht durch hohe Vorgaben abschrecken. Nun ist ein Kompromiss gefunden.

Die Versorgung chronischer Wunden ist gemäß Ausbildungsverordnung Teil der neuen Ausbildung zum spezialisierten Altenpfleger. Foto: Your Photo Today
Die Versorgung chronischer Wunden ist gemäß Ausbildungsverordnung Teil der neuen Ausbildung zum spezialisierten Altenpfleger. Foto: Your Photo Today

Das Bundeskabinett hat Mitte Juni die „Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe“ verabschiedet. Damit ist der Weg für die weitere parlamentarische Beratung der neuen Pflegeausbildung frei, die ab 2020 an den Pflegeschulen gelehrt werden soll. Der Verabschiedung im Kabinett ging jedoch ein Streit zwischen Union und SPD voraus, der sich direkt an den Disput um das Pflegeberufegesetz in der vergangenen Legislaturperiode angeschlossen hat. Mit diesem Gesetz sollten die bislang getrennten Ausbildungen zur Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege zu einer gemeinsamen generalistischen Pflegeausbildung zusammengeführt werden.

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Wie die Arbeitgeberverbände äußerten Unionspolitiker jedoch die Sorge, dass Hauptschüler von einem zu hohen Ausbildungsniveau abgeschreckt werden könnten. Sie setzten durch, dass sich Auszubildende im dritten Jahr auf die Alten- und Kinderkrankenpflege spezialisieren können, statt die generalistische Ausbildung mit dem Titel „Pflegefachfrau/Pflegefachmann“ zu beenden. Die Ausbildungsverordnung, die die Inhalte der neuen Ausbildung festlegt, wurde auf diese Legislaturperiode verschoben und zudem unter Parlamentsvorbehalt gestellt. So müssen die Abgeordneten der vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium erarbeiteten Verordnung noch zustimmen, bevor sie in Kraft treten kann.

Kurz vor der Beratung im Kabinett formulierten Unionspolitiker Änderungswünsche an den Inhalten des dritten Ausbildungsjahres in der spezialisierten Altenpflege – sehr zum Unmut der SPD. Die Union habe diesen Teilbereich abschwächen und qualitativ abwerten wollen, kritisierte die SPD-Gesundheitspolitikerin Bettina Müller.

Union zeigt sich zufrieden

Um nicht die gesamte Neuregelung der Pflegeausbildung zu kippen, habe die SPD die Verordnung mitgetragen. In einem Kompromiss habe sie jedoch zuvor noch „das Schlimmste“ verhindern können. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union, Georg Nüßlein (CSU), zeigte sich hingegen zufrieden. „Wir wollen keine Akademisierung und Verwissenschaftlichung der Pflegeausbildung“, sagte er dem Handelsblatt. Die nun vereinbarten Standards in der Altenpflege brächten die Ausbildung qualitativ voran, ohne die Ansprüche so stark anzuheben, dass Hauptschüler keine Chance hätten.

Streit um Formulierungen

Konkret ging es um die Tiefe der Inhalte. So hieß es zum Beispiel im Entwurf des Ministeriums, die Absolventen sollten über „ein breites Verständnis von spezifischen Theorien und Modellen“ verfügen und „diese zur Steuerung und Gestaltung von Pflegeprozessen“ nutzen. Im Text der Unionsabgeordneten hieß es, die Absolventen sollten „spezifische Theorien und Modelle zur Pflegeprozessplanung und -dokumentation kennen und nutzen.“ Im Kompromiss ist schließlich von einem „ausreichenden Verständnis von spezifischen Theorien und Modellen zur Pflegeprozessplanung und -dokumentation“ die Rede, die die Absolventen „bei der Steuerung und Gestaltung von Pflegeprozessen berücksichtigen.“

Wenig Änderungen gab es im Bereich der „Ärztlichen Anordnungen“. Hier sollen Absolventen zum Beispiel chronische Wunden prozessbegleitend einschätzen, sie versorgen und die weitere Behandlung mit dem Arzt abstimmen.

Nach der Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss werden die Abgeordneten im Juli über die Verordnung abstimmen. Danach müssen die Vorgaben zunächst von einer Fachkommission, dann von den Ländern und schließlich von den Pflegeschulen in Rahmenpläne und Curricula umgewandelt werden. Falk Osterloh

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