ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2018Bewerbungsgespräch: Wer übertreibt, gewinnt

ÄRZTESTELLEN: Kurz notiert

Bewerbungsgespräch: Wer übertreibt, gewinnt

Dtsch Arztebl 2018; 115(25): [4]

SG

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Bewerber, die im Auswahlgespräch vermeintlich erwünschte Antworten geben, um einen besseren Eindruck zu machen, werden besser beurteilt als ehrlich antwortende Mitbewerber. Dennoch müssen Personaler dieses Verhalten offenbar nicht fürchten. Erfolgreiches „Faking“ lässt auf eine hohe kognitive Leistungsfähigkeit schließen. Das jedenfalls haben Psychologen der Universität Ulm und der University of Missouri, St. Louis (USA), unlängst in einer Studie herausgefunden.

Foto: contrastwerkstatt/stock.adobe.com
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Die Wissenschaftler um Dr. Anne-Kathrin Bühl und Prof. Klaus Melchers, Leiter der Ulmer Abteilung für Arbeits- und Organisationspsychologie, interviewten 111 Studienteilnehmern, um ihre akademische Leistungsfähigkeit einzuschätzen. Im ersten Interview erhielten die Probanden die Anweisung, sich bestmöglich als ideale Bewerber für ein hochselektives Masterprogramm zu präsentieren. Im zweiten Interview mit vergleichbaren Fragen sollten die Probanden ehrlich antworten. Zuvor hatten die Studienteilnehmer einen Fragebogen zu Persönlichkeitsmerkmalen, demografischen Variablen und Notendurchschnitt ausgefüllt. Auch absolvierten sie einen Intelligenztest sowie den sogenannten ATIC-Test (Ability to identify Criteria), der Rückschlüsse auf die Fähigkeit erlaubt, Bewertungskriterien korrekt zu identifizieren.

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Das Ergebnis: Zwar wurden Bewerber tatsächlich besser beurteilt, wenn sie Faking einsetzten. Doch hing das Ausmaß der Verbesserung systematisch mit dem Abschneiden beim Intelligenz- sowie ATIC-Test zusammen. Faking erfordere ein hohes Ausmaß an kognitiven Fähigkeiten, sagte Bühl. Bewerber müssten blitzschnell die Ziele des Interviewers erkennen und eine Antwort formulieren, die zum Wissen des Gesprächspartners über ihre Person passt. Demnach mindere Faking also nicht unbedingt die Aussagekraft von Bewerbungsgesprächen. Vielmehr komme es darauf an, auf welche Leistungsdimensionen Interviewer schließen wollen. Die Studie ist im Journal of Business and Psychology erschienen (2018; doi: 10.1007/s10869–018–9531–3). sg

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