ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2018Fallbericht: Körpereigene Immunzellen stoppen metastasierenden Brustkrebs

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Fallbericht: Körpereigene Immunzellen stoppen metastasierenden Brustkrebs

Dtsch Arztebl 2018; 115(25): A-1224 / B-1031 / C-1023

Meyer, Rüdiger

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Foto: stock.adobe.com/Raycat
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Eine neue Variante der Immuntherapie, die tumorinfiltrierende Lymphozyten (TIL) im Labor gezielt auf den Angriff von Krebszellen vorbereitet, hat bei einer Patientin eine ungewöhnlich dauerhafte Remission eines metastasierten Mammakarzinoms erzielt, wie das Team um Steven Rosenberg berichtet. Es handelt sich um eine Variante der adoptiven T-Zelltherapie, die Rosenberg ursprünglich für Melanom und Nierenkrebs entwickelt hat, aber kaum noch angewendet wird. Dabei werden T-Zellen aus dem Primärtumor isoliert, im Labor vermehrt und den Patienten in größerer Menge als Infusion verabreicht.

Bei „mutationsarmen“ Tumoren ist die adoptive T-Zelltherapie zu schwach, um den Tumor zurückzudrängen. Die Krebszellen sind jedoch nicht frei von Neoantigenen, die vereinzelt auch die Bildung von spezifischen T-Zellen veranlassen. Um diese Zellen zu finden, haben die Forscher das Genom der Krebszellen sequenziert in der Hoffnung, dabei auf Mutationen für Neoantigene zu stoßen. Mithilfe von dendritischen Zellen wurde dann gezielt nach T-Zellen gesucht, die diese Antigene erkennen. Diese hochspezialisierten T-Zellen wurden dann in Kulturen vermehrt und dem Patienten infundiert.

Die Forscher untersuchen den Ansatz derzeit in einer Phase-2-Studie, an der mehr als 300 Patienten teilnehmen sollen. Gleich bei einer der ersten Patientinnen, einer 49 Jahre alten Frau mit metastasiertem Mammakarzinom, soll die Therapie jetzt gut angeschlagen haben. Die Tumore wiesen insgesamt 62 Mutationen auf, von denen 4 – in den Genen SLC3A2, KIAA0368, CADPS2 und CTSB – für die Therapie ausgewählt wurden. Die Patientin, deren metastasiertes Mammakarzinom nach mehreren Chemotherapien als „austherapiert“ eingestuft wurde, erzielte nach der adoptiven Immuntherapie eine Vollremission, die bisher über 22 Wochen anhielt. Dies ist ein ungewöhnlicher Erfolg.

Fazit: „Es handelt sich um eine ‚Proof-of-Concept‘-Studie, die in der Durchführung allerdings zu aufwendig wäre, um im breiten Maßstab angewendet zu werden“, meint Prof. Dr. med. Hinrich Abken, Leiter des Labors für Tumorgenetik und Immunologie der Uniklinik Köln. Zudem wurden die TILs zusammen mit Checkpoint-Inhibitoren gegeben. Deren Einfluss ist in diesem Einzelfall schwer abzuschätzen, sie wirken wahrscheinlich eher additiv.“ Rüdiger Meyer

Zacharakis N et al.: Immune recognition of somatic mutations leading to complete durable regression in metastatic breast cancer. Nature Medicine 2018; DOI: s41591–018–0040–8. URL: https://www.nature.com/articles/s41591–018–0040–8.

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