ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2018Migrationshintergrund beachten
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In den Geburtskliniken deutscher Großstädte und Ballungsräume hat ein beträchtlicher Anteil der Schwangeren einen Migrationshintergrund. Für eine gute Versorgungsqualität ist es wichtig, dies bei Überlegungen zu Übergewicht und Schwangerschaftsrisiken zu berücksichtigen.

Wir untersuchten die peripartalen gesundheitlichen Folgen in einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Studie bei 7 100 Schwangeren aus drei großen Berliner Geburtskliniken, deren Geburtsverlauf wir prospektiv verfolgten (1, 2). Geburtseinleitungen waren bei übergewichtigen und adipösen Frauen häufiger, allerdings gab es keinen Unterschied zwischen Frauen mit und ohne Migrationshintergrund. Bei sekundären Sectiones konnten wir ebenfalls lediglich eine Assoziation mit dem Übergewicht feststellen, nicht jedoch mit dem Migrationsstatus. Dies weist auf eine hohe Qualität der peripartalen Betreuung und Versorgung hin (1, 2).

In Cox-Regressionsmodellen verglichen wir die Häufigkeit von LGA(Large-for-Gestational-Age)- Neugeborenen, SGA(Small-for-Gestational-Age)-Neugeborenen und Frühgeburtlichkeit. Hierbei wurden 2 586 Frauen mit Migrationshintergrund einbezogen, die größten Untergruppen kamen aus der Türkei und dem Libanon. Die Vergleichsgruppe bildeten 2 676 Frauen ohne Migrationshintergrund. Unter den türkeistämmigen Frauen waren 53,6 % übergewichtig oder adipös, bei den nichtmigrierten Frauen waren es 33,4 %. Die höchsten Risiken fanden wir für LGA, sowohl bei Frauen mit als auch bei Frauen ohne Migrationshintergrund. SGA-Neugeborene waren in der Gruppe übergewichtiger Frauen seltener. Die attributablen Risiken (Anteil der vermeidbaren Fälle in der untersuchten Bevölkerung) für LGA, Frühgeburtlichkeit sowie extreme Frühgeburtlichkeit lagen bei 16,3 %, 3,6 % und 16,5 % (3). In der Gruppe der Frauen mit Migrationshintergrund waren die attributablen Risiken durch Übergewicht/Adipositas damit jeweils höher als durch Rauchen (3). Frauen mit Migrationshintergrund benötigen daher besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich des Risikofaktors Übergewicht.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0453b

Prof. Dr. med. Oliver Razum

Abteilung Epidemiologie und International Public Health

Fakultät für Gesundheitswissenschaften

Universität Bielefeld, oliver.razum@uni-bielefeld.de

Prof. Dr. med. Matthias David

Charité Berlin, Campus Virchow-Klinikum

Klinik für Gynäkologie

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Reiss K, Breckenkamp J, Borde T, et al.: The association of pre-pregnancy overweight and obesity with delivery outcomes: a comparison of immigrant and non-immigrant women in Berlin, Germany. Int J Public Health 2016; 61: 455–63 CrossRef MEDLINE
2.
David M, Borde T, Brenne S, Henrich W, Breckenkamp J, Razum O: Caesarean section frequency among immigrants, second- and third-generation women, and non-immigrants: prospective study in Berlin/Germany. PLoS ONE 2015; 10: e0127489 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Reiss K, Breckenkamp J, Borde T, Brenne S, David M, Razum O: Contribution of overweight and obesity to adverse pregnancy outcomes among immigrant and non-immigrant women in Berlin, Germany. Eur J Public Health 2015; 25: 839–44 CrossRef MEDLINE
4.
Stubert J, Reister F, Hartmann S, Janni W: The risks associated with obesity in pregnancy. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 276–83 VOLLTEXT
1.Reiss K, Breckenkamp J, Borde T, et al.: The association of pre-pregnancy overweight and obesity with delivery outcomes: a comparison of immigrant and non-immigrant women in Berlin, Germany. Int J Public Health 2016; 61: 455–63 CrossRef MEDLINE
2.David M, Borde T, Brenne S, Henrich W, Breckenkamp J, Razum O: Caesarean section frequency among immigrants, second- and third-generation women, and non-immigrants: prospective study in Berlin/Germany. PLoS ONE 2015; 10: e0127489 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3. Reiss K, Breckenkamp J, Borde T, Brenne S, David M, Razum O: Contribution of overweight and obesity to adverse pregnancy outcomes among immigrant and non-immigrant women in Berlin, Germany. Eur J Public Health 2015; 25: 839–44 CrossRef MEDLINE
4.Stubert J, Reister F, Hartmann S, Janni W: The risks associated with obesity in pregnancy. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 276–83 VOLLTEXT

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