ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2018QM-Ratgeber: Ethische Fragen – Ethikberatung

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QM-Ratgeber: Ethische Fragen – Ethikberatung

Dtsch Arztebl 2018; 115(26): A-1286 / B-1084 / C-1076

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Die medizinische Behandlung von Patienten stellt Ärzte sowohl im Krankenhaus als auch in der ambulanten Versorgung immer wieder vor Entscheidungen, die allein mit Fachwissen nicht zu bewältigen sind. Häufig sind es ethische Fragen bzw. Situationen, die durch Rechtsnormen nicht eindeutig beschrieben sind, die Ärzten und Behandlungsteams schwierige Entscheidungen abfordern. Die Ethikberatung bietet gerade in solchen schwierigen Situationen Potenzial für mehr Sicherheit und eine bessere Qualität der Patientenversorgung.

Ethische Fragen können im Behandlungsverlauf u. a. bei schweren chronischen Erkrankungen und am Lebensende aufkommen. Sie stellen sich angesichts weitreichender Möglichkeiten durch den medizinischen Fortschritt, zum Beispiel mit Blick auf Organtransplantationen, Arzneimitteltherapien oder lebenserhaltende bzw. lebensverlängernde Maßnahmen. Aber auch im Kontext begrenzter Ressourcen oder im Zuge fortschreitender Digitalisierungsprozesse sind sie relevant. Ethische Fragen entstehen auch aus einer wertepluralistischen Gesellschaft heraus. Im Kern geht es um die Fragen: Was soll der Arzt tun, wie soll er entscheiden? Steht das, was er tut oder was von ihm erwartet wird, im Einklang mit seinem Gewissen? Ist sein Handeln gerecht?

Seit Mitte der 80er-Jahre hat sich in Deutschland eine öffentliche Diskussion um die klinische Ethikberatung in Krankenhäusern entwickelt, die sich u. a. in Form von wissenschaftlichen Einrichtungen, Ethikkomitees in Krankenhäusern, der Zentralen Ethikkommission der Bundes­ärzte­kammer institutionalisiert hat. Die ärztlichen Berufsordnungen schaffen dafür einen Rahmen; die gemeinsame Beratung mit Kollegen und Experten bietet eine hilfreiche Unterstützung.

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In der ambulanten Versorgung kann der geschützte Rahmen eines Qualitätszirkels eine hilfreiche Option für die Verbesserung der Versorgungsqualität und die Entscheidungsfindung im individuellen Behandlungsfall sein. Durch eine strukturierte Vorgehensweise mit Fallvorstellung, anschließender Herausarbeitung des ethischen Problems sowie Entwicklung ethischer Handlungsoptionen können die Teilnehmer im Zirkel gemeinsam Lösungen entwickeln und eine Handlungsempfehlung für den Fallvorsteller aussprechen. Dieser Ansatz einer Ethikberatung ist auch nicht nur auf die ambulante Versorgung beschränkt. Orientierung geben dabei die vier ethischen Grundprinzipien nach Beauchamp und Childress:

  • Respekt vor der Autonomie des Patienten
  • Prinzip der Fürsorge
  • Prinzip des Nicht-Schadens
  • Prinzip der Gerechtigkeit

Das Qualitätszirkel-Modul „Ethikberatung“ und ein Videotutorial zur Anwendung des Moduls stehen unter www.kbv.de/qz zum Download zur Verfügung.

Im Qualitätsmanagement sind ethische Ansätze insbesondere den Feldern Patientenorientierung und Patientensicherheit (u. a. Patienteninformation und Aufklärung) zuzuordnen. Das speziell für Praxen entwickelte Qualitätsmanagementsystem QEP – Qualität und Entwicklung in Praxen® bietet im Kapitel „Therapie und Versorgung“ Umsetzungshilfen an. KBV

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