ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2018Neuropathische Schmerzen: Vitaminpräparate sind ohne Wirkung

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Neuropathische Schmerzen: Vitaminpräparate sind ohne Wirkung

Dtsch Arztebl 2018; 115(26): A-1271 / B-1073 / C-1065

Hillienhof, Arne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Laurentiu Iordache/picture alliance
Foto: Laurentiu Iordache/picture alliance

Präparate mit Vitamin B1, Benfotiamin oder auch Vitamin E sind bei neuropathischen Schmerzen ohne Nutzen. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hingewiesen. In Deutschland leiden rund 2,6 Millionen Menschen an Schmerzen, die durch Verletzungen oder Erkrankungen von Nerven entstehen. Die häufigste Ursache ist Diabetes, etwa die Hälfte aller Patienten sind davon betroffen. In der Nationalen Versorgungsleitlinie „Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter“ sind als hilfreiche Medikamente einige Antidepressiva, Pregabalin und ausgewählte Schmerzmittel aufgeführt. Die Behandlung ist allerdings selten vollständig erfolgreich, sodass viele Patienten nach Alternativen suchen.

Die DGN verweist auf eine Studie einer asiatischen Arbeitsgruppe. Darin haben Forscher um Kah-Hay Yuen (Penang, Malaysia) gehofft, mit einem Gemisch aus verschiedenen Formen von Vitamin E Schmerzen zu lindern. Im Rahmen der VENUS-Studie wurden 300 Diabetespatienten mit neuropathischen Schmerzen ausgewählt, die nach dem Losverfahren über 12 Monate hinweg entweder 2-mal täglich 200 mg eines Gemisches von Vitamin E erhielten oder ein Scheinmedikament. Geprüft wurde das von den Patienten selbst berichtete Ausmaß neuropathischer Schmerzen nach 12 Monaten sowie die Beeinträchtigung der Lebensqualität und die Nervenleitungsgeschwindigkeit.

Auf allen 3 Bewertungsskalen gab es keine Unterschiede zwischen der Verum- und der Placebogruppe. Lediglich bei 2 Untergruppen von Patienten deuteten nachträgliche Auswertungen auf einen geringfügigen Nutzen hin: Solche mit vergleichsweise hohen Blutzuckerwerten (> 183 mg/dL) und diejenigen mit normalen Konzentrationen von Homozystein im Blut (< 15 µmol/L) hatten weniger stechende Schmerzen. Festgestellt wurde aber auch, dass bei ansonsten identischen Nebenwirkungen in den beiden Gruppen Infektionen bei 6,7 % der Patienten unter Vitamin E auftraten – das war fast 10-mal so häufig wie mit Placebo.

Fazit: „In der Gesamtbilanz müssen wir Ärztinnen und Ärzte unseren Patienten davon abraten, ihr Geld für Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel auszugeben, da es keinen Wirkungsnachweis gibt“, kommentiert Prof. Dr. med. Claudia Sommer von der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg. Arne Hillienhof

VENUS-Investigators, et al.: Efficacy of oral mixed tocotrienols in diabetic peripheral neuropathy a randomized clinical trial. JAMA Neurol 2018; 75 (4): 444–52.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige