ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2018Arbeitsmarkt Ärzte: Wettbewerb um qualifizierte Fachärzte verschärft sich

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Arbeitsmarkt Ärzte: Wettbewerb um qualifizierte Fachärzte verschärft sich

Dtsch Arztebl 2018; 115(26): [2]

Martin, Wolfgang

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Das Thema Ärztemangel hat keineswegs an Brisanz verloren, auch wenn sich die mediale Aufmerksamkeit zurzeit auf den Pflegenotstand richtet. Die Nachfrage nach Fachärzten ist unverändert hoch.

Während Akutkrankenhäuser im Jahr 2017 etwas weniger Stellenanzeigen im Deutschen Ärzteblatt schalteten als im Vorjahr, haben die außerklinischen Tätigkeitsfelder diesen Rückgang wieder wettgemacht. Das zeigt, dass es immer schwieriger wird, Fachärztinnen und Fachärzte für Gutachterpositionen bei den Medizinischen Diensten der Kran­ken­ver­siche­rungen und den Sozialversicherungsträgern oder für eine Tätigkeit in den Gesundheitsämtern zu gewinnen.

Mit Blick auf den Stellenmarkt des Deutschen Ärzteblatts im Jahr 2017 fällt noch etwas anderes auf: Die Anzeigen waren im Durchschnitt deutlich größer und aufwendiger gestaltet, zunehmend mit Merkmalen einer Werbeanzeige. Da das Bewerberpotenzial nicht größer geworden ist, versuchen immer mehr Krankenhäuser, sich deutlicher von der Konkurrenz abzuheben und besser in Szene zu setzen, ein Indiz dafür, dass sich der Wettbewerb um qualifizierte Fachärztinnen und Fachärzte weiter verschärft hat.

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Facharztindex: Indikator für Bewerbermangel

In welchen Fachgebieten die Krankenhäuser 2017 die größten Schwierigkeiten hatten, Fachärzte zu gewinnen, zeigt der von mainmedico erstellte Facharztindex (siehe Grafik). Wie im Vorjahr liegen die Fachgebiete Hygiene und Umweltmedizin sowie Psychosomatische Medizin mit Indexwerten unter 10 klar an der Spitze. Die Situation in beiden Fachgebieten ist dadurch gekennzeichnet, dass viel zu wenige Ärztinnen und Ärzte weitergebildet werden, um den Personalbedarf in den Krankenhäusern zu decken.

Facharztindex 2017: In diesen Fachgebieten ist die Bewerberdecke besonders dünn
Facharztindex 2017: In diesen Fachgebieten ist die Bewerberdecke besonders dünn
Grafik
Facharztindex 2017: In diesen Fachgebieten ist die Bewerberdecke besonders dünn

Besonders krass ist die Situation im Fachgebiet Hygiene und Umweltmedizin: Wenn 2016 rein rechnerisch gerade einmal elf von 1 951 deutschen Krankenhäusern überhaupt die Chance hatten, einen Facharzt nach abgeschlossener Weiterbildung für sich zu gewinnen, stellt sich die Frage, wie die Defizite in der Hygienequalität und Infektionsprävention nachhaltig behoben werden sollen. Eine regelrechte Weiterbildungsoffensive wäre nötig, um eine Trendwende herbeizuführen.

In der Psychosomatischen Medizin spiegelt sich die wachsende Bedeutung der stationären Versorgung auch in der Nachfrage nach ärztlichen Mitarbeitern wider. So hatte im vergangenen Jahr jede dritte Abteilung eine Fach- oder Oberarztposition ausgeschrieben. Da hätten sich alle Fachärzte nach abgeschlossener Weiterbildung (2016: 114) gleichmäßig auf alle ausgeschriebenen Stellen (2017: 101) verteilen müssen, damit jede Vakanz hätte besetzt werden können. Die Realität sieht erfahrungsgemäß anders aus.

Steigende Nachfrage

Einen deutlichen Sprung nach vorne im Ranking des Facharztindex haben im vergangenen Jahr die Fachgebiete Laboratoriumsmedizin und Öffentliches Gesundheitswesen gemacht. In der Laboratoriumsmedizin wurden fast doppelt so viele Facharztpositionen ausgeschrieben wie im Jahr 2016. Dies ist ein deutliches Indiz für einen Bewerbermangel, weil gerade in kleinen, überschaubaren Fachgebieten informelle Kanäle eine wichtige Rolle spielen. Erst wenn diese nicht zum gewünschten Erfolg führen, schreibt ein Krankenhaus in der Regel eine Stelle offen aus.

Der Öffentliche Gesundheitsdienst hat schon seit Jahren mit Personalproblemen zu kämpfen. In Konkurrenz zu den Krankenhäusern ist es immer schwieriger geworden, Fachärzte zu gewinnen. Die Zahl an Stellenausschreibungen steigt so von Jahr zu Jahr. Im vergangenen Jahr wurden auch wieder rund 15 Prozent mehr Stellenanzeigen geschaltet als im Vorjahr. Und der Personalengpass betrifft hier in erster Linie die Fachgebiete Psychiatrie und eben Öffentliches Gesundheitswesen. Allein für diese beiden Fachrichtungen wurden jeweils rund 50 Prozent mehr Stellenanzeigen veröffentlicht als im Vorjahr.

Mangelnde Weiterbildungskapazitäten

Unter den Top Ten des Facharztindex tauchten in den vergangenen Jahren einige Fachgebiete mit Regelmäßigkeit auf:

  • Gastroenterologie,
  • Psychiatrie sowie
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie.

In allen drei Fachgebieten sind mangelnde Weiterbildungskapazitäten seit Langem ein Thema. Es kommen jeweils rein rechnerisch höchstens zwei Bewerber auf eine ausgeschriebene Fach- oder Oberarztposition, sofern sich alle Fachärzte nach abgeschlossener Weiterbildung auf alle infrage kommenden Stellen bewerben würden. Dies ist natürlich zu wenig und nicht geeignet, Nachfragespitzen abzufangen.

Wegen dieser Nachfragesituation haben Ärztinnen und Ärzte nach abgeschlossener Weiterbildung in den meisten Fachgebieten auf jeden Fall gute Chancen auf eine Anschlussstelle. Wie aber sieht dies auf der Chefarztebene aus?

Auffallend ist, dass es durchaus Unterschiede zwischen einzelnen Fachgebieten gibt: Im Durchschnitt wurde im Jahr 2017 jede 36. Chefarztposition ausgeschrieben. Eine überdurchschnittlich hohe Fluktuation herrschte in der Pneumologie (jede 9.), in der Gastroenterologie (jede 15.), in der Kinder- und Jugendpsychiatrie (jede 17.) und in der Viszeralchirurgie (jede 19.). Deutlich geringer war der Anteil an ausgeschriebenen Chefarztpositionen in der Anästhesiologie (jede 47.), der Orthopädie und Unfallchirurgie (jede 48.) sowie der Gefäßchirurgie (jede 53.).

Günstige Karrierechancen

Bezieht man dies auf die Zahl der nachgeordneten Fachärzte in den jeweiligen Fachgebieten, kommen rein rechnerisch in der Gefäßchirurgie fast fünfmal so viele potenzielle Kandidaten auf eine Chefarztvakanz wie in der Pneumologie und in der Gastroenterologie. Betrachtet man also allein die Zahl möglicher Mitbewerber, so bieten sich in diesen beiden Fachgebieten aktuell die günstigsten Karrierechancen.

Auf der anderen Seite bedeutet dies, dass Krankenhäuser für einen altersbedingt ausscheidenden Chefarzt nicht ohne Weiteres einen adäquaten Nachfolger oder eine adäquate Nachfolgerin finden. Dies betrifft im Fall der Gastroenterologie insbesondere Häuser der Grund- und Regelversorgung. Dort stellt sich oftmals die Frage, ob man die medizinische Versorgung in diesem Fachbereich überhaupt noch aufrechterhalten kann.

Dr. Wolfgang Martin

mainmedico GmbH

consulting & coaching

60322 Frankfurt am Main

Facharztindex 2017: In diesen Fachgebieten ist die Bewerberdecke besonders dünn
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Facharztindex 2017: In diesen Fachgebieten ist die Bewerberdecke besonders dünn

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