ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2018Glioblastom: Dendritischer Impfstoff könnte das Überleben verlängern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Glioblastom: Dendritischer Impfstoff könnte das Überleben verlängern

Dtsch Arztebl 2018; 115(26): A-1271 / B-1073 / C-1065

Meyer, Rüdiger

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Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com
Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com

Ein dendritischer Impfstoff, der die Aufmerksamkeit des Immunsystems auf die Zellen eines Glioblastoms lenken soll, hat in einer Phase-3-Studie lange Überlebenszeiten erzielt. Der Impfstoff besteht aus dendritischen Zellen, die per Leukapherese aus dem Blut der Patienten isoliert und dann im Labor mit Krebszellen aus dem Tumor zusammengebracht werden. Nach Rückkehr in den Körper, die durch regelmäßige interdermale Injektionen erfolgt, sollen die dendritischen Zellen das Immunsystem (insbesondere die zytotoxischen T-Zellen) dazu aktivieren, die Krebszellen zu zerstören.

An der Studie nahmen 331 Patienten teil, bei denen das Glioblastom chirurgisch entfernt wurde. Sie hatten eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie erhalten. Danach wurden sie im Verhältnis 2:1 randomisiert. Beide Gruppen erhielten zudem eine Chemotherapie mit Temozolomid. Das Studiendesign sah vor, dass die Behandlung im Fall eines Rezidivs mit dem Impfstoff fortgesetzt wird. Zum Zeitpunkt der Zwischenauswertung hatten 286 von 331 Patienten (86,4 %) wenigstens 1 Impfung erhalten.

Das mediane Überleben liegt bei 23,1 gegenüber 15–17 Monaten in historischen Kontrollen. Bei Patienten mit methyliertem MGMT-Promotor (günstigere Prognose) betrug das mediane Überleben 34,7 gegenüber 21,7 Monaten. Bei nichtmethyliertem MGMT-Promotor lebten die Patienten median 19,8 gegenüber 12,7 Monate. Bei den „Top-100“-Patienten (30 % der Gruppe) liegt das mediane Überleben mittlerweile bei 40,5 Monaten, obwohl nur 8 der 100 Patienten die 3 bekannten Faktoren für eine günstige Prognose aufwiesen: Alter unter 50 Jahren, methylierter MGMT-Genstatus, vollständige Resektion des Tumors. Die Verträglichkeit der Impfung scheint gut zu sein. Nur bei 7 Patienten (2,1 %) traten möglicherweise auf die Impfung zurückzuführende Komplikationen auf (Hirnödeme, Krampfanfälle, Übelkeit, Lymphdrüseninfektion).

Fazit: Da die Randomisierung noch nicht gebrochen wurde, ist nicht bekannt, welche Patienten zu Beginn Placeboinjektionen erhalten haben. Es sind deshalb derzeit noch keine Aussagen darüber möglich, ob und über wie viele Monate die Impfung die Überlebenszeiten verlängern kann. Rüdiger Meyer

Liau LM, et al.: First results on survival from a large Phase 3 clinical trial of an autologous dendritic cell vaccine in newly diagnosed glioblastoma. J Transl Med 2018; 16: 142.

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