ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2018Depressive Störungen: Regelmäßiges Krafttraining reduziert Symptome und könnte Therapiebedarf senken

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Depressive Störungen: Regelmäßiges Krafttraining reduziert Symptome und könnte Therapiebedarf senken

Dtsch Arztebl 2018; 115(26): A-1272 / B-1074 / C-1066

Gerste, Ronald D.

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Foto: highwaystarz/stock.adobe.com
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An Depressionen leiden nach Expertenschätzungen rund 300 Millionen Menschen weltweit, in den Industrienationen sind depressive Verstimmungen eine wesentliche Ursache für Fehlzeiten bei der Arbeit. Und so ist die Behandlung von Depressionen der größte Kostenfaktor bei der Aufrechterhaltung mentaler Gesundheit in Europa.

Ein Metaanalyse weist daraufhin, dass bestimmte physische Aktivitäten einen günstigen oder auch präventiven Einfluss auf Menschen mit depressiver Veranlagung haben und möglicherweise Therapielasten reduzieren. Eine irisch-schwedische Autorengruppe hat 33 randomisierte Studien mit 1 877 Teilnehmern in Bezug auf die Wirkung regelmäßigen Krafttrainings (resistance exercise training, RET) ausgewertet. 947 Teilnehmer machten Krafttraining, meist 3 Mal/Woche, und dies über einen Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 12 Wochen (1). 930 Probanden waren in der weniger aktiven Kontrollgruppe. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer lag bei 52 Jahren, sie waren zu 67 % weiblich.

Der mittlere positive Gesamteffekt (mean effect size) des Krafttrainings wird mit Δ = 0,66 (95-%- Konfidenzintervall [95-%-KI] [0,48; 0,83]) errechnet. Eine solche Reduzierung der Symptome um zwei Drittel war besonders ausgeprägt bei Menschen mit leichten bis moderaten Depressionen (Δ = 0,90; [0,68; 1,11]). Regelmäßiges Krafttraining erwies sich bei Menschen mit depressiven Störungen damit als effektiver als bei Angstzuständen (mittlerer Effekt: Δ = 0,31; [2]).

Fazit: Die empirische Evidenz der ausgewerteten Studien lasse positive Effekte von Krafttraining auf Symptome aus dem depressiven Formenkreis erkennen, so das Resümee der Autoren. Allerdings seien Studien mit exakterer Allokation und Dokumentation der Adhärenz notwendig. Fast zwei Drittel der in die Analyse eingegangenen randomisierten Studien hätten nicht dokumentiert, in welchem Umfang Trainingsvorgaben befolgt wurden und 12 von 33 Studien berichteten nicht, ob und welche Medikationen – also auch Antidepressiva – von den Teilnehmern eingenommen wurden. Dr. med. Ronald D. Gerste

  1. Gordon BR, McDowell CP, Hallgren M et al.: Association of efficacy of resistance exercise training with depressive symptoms. JAMA Psychiatry. doi:10.1001/jamapsychiatry.2018.0572.
  2. Gordon BR, McDowell CP, Lyons M, et al.: The effects of resistance exercise training on anxiety: a meta-analysis and meta-regression analysis of randomized controlled trials. Sports Med 2017; 47: 2521–32.

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