ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2018Epilepsie: Viele neue Therapieoptionen, aber die Prognose bleibt nahezu unverändert

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Epilepsie: Viele neue Therapieoptionen, aber die Prognose bleibt nahezu unverändert

Dtsch Arztebl 2018; 115(26): A-1272 / B-1074 / C-1066

Eckert, Nadine

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Foto: ralwel/123RF

Die Frage, ob neuere Antiepileptika die Prognose verbessern, ist in einer Längsschnittstudie untersucht worden. 1 795 Epilepsiepatienten (9–93 Jahre) wurden zwischen 1982 und 2012 in einer Glasgower Klinik medikamentös behandelt und mindestens 2 Jahre nachbeobachtet. Im Studienzeitraum nahm die Verschreibung neuerer Antiepileptika zu: sowohl als initiale Monotherapie als auch in den Folgelinien. Die Anfallsfreiheitsrate war dennoch in den 3 untersuchten Zeiträumen (1982–1991, 1992–2001, 2002–2012) vergleichbar bei 61–64%.

Zum Ende des Studienzeitraums waren 1 144 Patienten (63,7%) seit mindestens 1 Jahr anfallsfrei, darunter 993 (86,8 %) durch eine Monotherapie, 1 028 (89,9 %) hatten Anfallsfreiheit mit dem 1. oder 2. Antiepileptikum erreicht. Von der gesamten Studienpopulation blieben 906 Patienten (50,5 %) mit dem initial verschriebenen Antiepileptikum mindestens 1 Jahr anfallsfrei. Versagte es, brachten das 2. und 3. Antiepileptikum eine zusätzliche Chance auf Anfallsfreiheit von 11,6 und 4,4 %. Nur 2,12 % der Patienten erreichten mit weiteren Antiepileptika noch eine optimale Anfallskontrolle. Patienten, die nicht mit dem 1. Antiepileptikum Anfallsfreiheit erreichten, hatten mit jedem weiteren Medikament eine 1,73-mal höhere Wahrscheinlichkeit, unkontrolliert zu bleiben (Odds Ratio: 1,73; 95-%-Konfidenzintervall: 1,56; 1,91; p < 0,001).

Fazit: „Diese Langzeitstudie zur Behandlung aller Arten von Epilepsien bestätigt die Ergebnisse anderer Arbeiten: Die Chance auf Anfallsfreiheit beträgt mit dem 1. Medikament etwa 50 % und sinkt dann kontinuierlich mit jedem weiteren. Etwa ein Drittel aller Patienten wird nicht anfallsfrei“, resümiert Prof. Dr. med. Holger Lerche, Ärztlicher Direktor der Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt Epileptologie am Universitätsklinikum Tübingen. „Dies hat sich über die letzten 3 Jahrzehnte, in denen viele neue Medikamente entwickelt und angewendet wurden, nicht wesentlich geändert. Um das verbleibende Drittel gut zu behandeln, bedarf es offenbar völlig neuer Strategien.“

Verträglichkeit und Wechselwirkungsprofil mancher neuer Medikamente seien im direkten Vergleich aber besser. Ein weiterer Aspekt der Studie: Auch wenn die Chancen auf Anfallsfreiheit mit jedem weiteren eingesetzten Medikament sanken, wurden auch beim 6. Versuch immer noch 14 % der verbleibenden Population anfallsfrei. Lerche: „Deshalb sollte man nie einen Patienten aufgeben und sich über jedes neue Medikament freuen, das das Behandlungsspektrum erweitert.“ Nadine Eckert

Chen Z, Brodie MJ, Liew D, et al.: Treatment outcomes in patients with newly diagnosed epilepsy treated with established and new antiepileptic drugs:a 30-year longitudinal cohort study. JAMA Neurology 2018; 75: 279–86.

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