ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2018Unzureichende Tabakkontrollmaßnahmen
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Seit Jahren forsche ich in Großbritannien zu den Themen „Rauchentwöhnung“ und „E-Zigaretten“ und freue mich über einen Beitrag aus Deutschland (1). Für Großbritannien gibt es umfassende Daten zum Rauchen von Tabak und zum Gebrauch von E-Zigaretten (die keinen Tabak enthalten), die wir kürzlich zusammengefasst haben (2). Dabei ist ersichtlich, dass sowohl erwachsene als auch jugendliche E-Zigaretten-Nutzer fast ausschließlich Raucher/innen oder ehemalige Raucher/innen sind. Daten von über 60 000 Jugendlichen aus repräsentativen Umfragen zeigen, dass diese Personengruppe E-Zigaretten ausprobiert, dabei aber nur sehr wenige Nie-Raucher (0,1 bis 0,5 %) zum regelmäßigen E-Zigaretten-Gebrauch übergehen.

Zudem gibt es Übergänge vom Rauchen zu den viel weniger schädlichen E-Zigaretten, auch unter Jugendlichen (2, 3). In den letzten zwei Jahren wurden 14 teils widersprüchliche Übersichtsarbeiten zu „E-Zigaretten zur Rauchentwöhnung“ in der internationalen Fachliteratur veröffentlicht (2). In England ist die Datenlage klarer und verlässliche Schätzungen zeigen, dass E-Zigaretten pro Jahr zu 22 000 bis 57 000 zusätzlichen Rauchstopps geführt haben (2).

Der Hauptindikator für einen „Gateway-Effekt“ ist die Entwicklung der Rauchprävalenz. Der Rückgang des Rauchens hat sich seit der Verbreitung von E-Zigaretten fortgesetzt und inzwischen rauchen nur noch circa 16 % der Personen über 15 Jahren in Großbritannien (Deutschland circa 28 %). Dieser relative Erfolg ist zu großen Teilen guten Tabakkontrollmaßnahmen zuzuschreiben. Dazu gehören

  • hohe und steigende Preise für Tabakprodukte
  • Verbot von Tabakwerbung
  • umfassender Nichtraucherschutz in öffentlichen Räumen
  • Gesundheitswarnungen auf Tabakverpackungen (und standardisierten Verpackungen)
  • Kampagnen und Behandlungsangebote für Raucher.

Werden europäische Länder hinsichtlich ihrer Tabakkontrollmaßnahmen verglichen, liegen Deutschland und Österreich auf den letzten Plätzen (4). Unzureichende Tabakkontrollmaßnahmen stellen ein größeres Risiko für eine weiterhin hohe Rauchprävalenz dar als eventuelle Gateway-Effekte.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0478b

Dr. Leonie Brose, MSc, Dipl.-Psych., PhD

Institute of Psychiatry, Psychology & Neuroscience (IoPPN)

King‘s College London

leonie.brose@kcl.ac.uk

Interessenkonflikt

Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Morgenstern M, Nies A, Goecke M, Hanewinkel R: E-cigarettes and the use of conventional cigarettes—a cohort study in 10th grade students in Germany. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 243–8 VOLLTEXT
3.
East K, Hitchman SC, Bakolis I, et al.: The association between smoking and electronic cigarette use in a cohort of young people. J Adolesc Health 2018; 62: 539–47 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Joosens L, Raw M: The tobacco control scale 2016 in Europe. Brussels: Association of European Cancer Leagues 2017 MEDLINE
1.Morgenstern M, Nies A, Goecke M, Hanewinkel R: E-cigarettes and the use of conventional cigarettes—a cohort study in 10th grade students in Germany. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 243–8 VOLLTEXT
2.McNeill A, Brose LS, Calder R, Bauld L, Robson, DJ: Evidence review of e-cigarettes and heated tobacco products 2018. A report commissioned by Public Health England. London: Public Health England 2018.
3.East K, Hitchman SC, Bakolis I, et al.: The association between smoking and electronic cigarette use in a cohort of young people. J Adolesc Health 2018; 62: 539–47 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.Joosens L, Raw M: The tobacco control scale 2016 in Europe. Brussels: Association of European Cancer Leagues 2017 MEDLINE

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