ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2018E-Zigarette in der Tabakentwöhnung
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In Deutschland ist die E-Zigarette umstritten, weil sie die Substanzabhängigkeit von Nikotin zunächst nicht durchbricht. Die vorliegende Evidenz spricht demgegenüber für den Einsatz der E-Zigarette in der Tabakentwöhnung. Nicht ohne Grund wird dieser therapeutische Ansatz im britischen Gesundheitssystem favorisiert (1, 2, 4). Auch die britische Regierung stellt aufgrund der publizierten Daten klar den Nutzen der E-Zigarette heraus (4). Ein Cochrane-Review von 2016 erkennt Vorteile bei erfolgreicher Entwöhnung von der Tabakzigarette und bei den übrigen Probanden Vorteile durch Reduktion der Zahl der konsumierten Tabakzigaretten, wobei die Autoren bei noch unzureichenden Daten Bedarf für weitere Untersuchungen sehen. 2018 ist dieser Forderung schon zu einem guten Teil Rechnung getragen worden.

Eine kürzlich im British Medical Journal publizierteStudie errechnet eine durch Einsatz der E-Zigarette mögliche Schadensreduktion in ungeahnter Höhe: So könnten durch den Einsatz der E-Zigarette allein in den USA mindestens 1,6 Millionen vorzeitige Todesfälle über zehn Jahre verhindert werden, wenn man ein pes-simistisches Szenario annimmt. Bei optimistischer Rechnung wären es 6,6 Millionen verhinderte vorzeiti-ge Todesfälle (2). Zur erfolgreichen Tabakentwöhnung scheint die E-Zigarette auch nach den Ergebnissen anderer Arbeiten gut geeignet.

Eine 2017 publizierte Studie aus den USA beschreibt durch den Einsatz der E-Zigarette eine Verbesserung der Rate erfolgreicher Tabakentwöhnungen von 4,8 % auf 8,2 % (3). Das Deutsche Ärzteblatt und das Bundesministerium für Gesundheit beschreiben 2017 ebenfalls Vorteile der E-Zigarette, unter anderem weil die Hypothese von der E-Zigarette als Einstiegsdroge (Gateway-Theorie) widerlegt zu sein scheint (www.aerzteblatt.de/nachrichten/73991).

Verschiedene mächtige Interessengruppen möchten gerne die E-Zigarette in ein ungünstiges Licht stellen, weil dadurch Umsätze und damit Gewinne geschmälert werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0479a

Weitere Literatur beim Verfasser.

Dr. med. Peter Pommer

Abteilung für Pneumologie

Fachklinik Allgäu

Pfronten

peter.pommer@fachklinik-allgaeu.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
McNeill A, Brose LS, Calder R, Bauld L & Robson D: Evidence review of e-cigarettes and heated tobacco products 2018. A report commissioned by Public Health England. London: Public Health England; 2018.
2.
Levy DT, Borland R, Lindblom EN, et al.: Potential deaths averted in USA by replacing cigarettes with e-cigarettes. Tobacco Control 2018; 27: 18–25 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Zhu Shu-Hong, Zhuang Yue-Lin, Wong Shiushing, Cummins Sharon E, Tedeschi Gary J. E-cigarette use and associated changes in population smoking cessation: evidence from US current population surveys BMJ 2017; 358: j3262 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Morgenstern M, Nies A, Goecke M, Hanewinkel R: E-cigarettes and the use of conventional cigarettes—a cohort study in 10th grade students in Germany. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 243–8 VOLLTEXT
1.McNeill A, Brose LS, Calder R, Bauld L & Robson D: Evidence review of e-cigarettes and heated tobacco products 2018. A report commissioned by Public Health England. London: Public Health England; 2018.
2.Levy DT, Borland R, Lindblom EN, et al.: Potential deaths averted in USA by replacing cigarettes with e-cigarettes. Tobacco Control 2018; 27: 18–25 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Zhu Shu-Hong, Zhuang Yue-Lin, Wong Shiushing, Cummins Sharon E, Tedeschi Gary J. E-cigarette use and associated changes in population smoking cessation: evidence from US current population surveys BMJ 2017; 358: j3262 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.Morgenstern M, Nies A, Goecke M, Hanewinkel R: E-cigarettes and the use of conventional cigarettes—a cohort study in 10th grade students in Germany. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 243–8 VOLLTEXT

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Avatar #731292
cis2000
am Freitag, 28. September 2018, 22:08

Die Substanzabhängigkeit von Nikotin zunächst nicht durchbricht!

Die Substanzabhängigkeit von Nikotin sollte neu untersucht werden. Bisher erfolgte die Untersuchung nur in Verbindung mit Tabak!
MfG

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