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Wir freuen uns über die rege Diskussion, die unser Beitrag bei der Leserschaft des Deutschen Ärzteblattes ausgelöst hat (1). Eine sachliche Richtigstellung möchten wir anbringen: Der vorherige E-Zigarettenkonsum sagte in unserer Untersuchung nicht nur das Probieren herkömmlicher Zigaretten, sondern auch den Übergang vom experimentellen zum täglichen Rauchen voraus.

In den fünf Beiträgen wird hauptsächlich über den möglichen Nutzen der E-Zigarette als Rauchstopphilfe spekuliert. Die aktuelle empirische Datenlage lässt es unserer Ansicht nach nicht zu, eine valide Aussage über den Nutzen der E-Zigarette zu treffen. Die 2016 publizierte Cochrane-Analyse basiert auf lediglich zwei randomisiert-kontrollierten Studien (2). Auch das Angebot freier E-Zigaretten im Rahmen einer neuen, groß angelegten pragmatischen Studie zur betrieblichen Raucherentwöhnung konnte nur wenigen Mitarbeitern zur Abstinenz verhelfen (3). Die neuste, 2018 veröffentlichte Metaanalyse zur Wirksamkeit von E-Zigaretten als Rauchstopphilfe kommt zu dem Ergebnis, dass die Nutzung von E-Zigaretten die Chance eines erfolgreichen Rauchstopps um 39 % verringert (4). Um den Schaden des Rauchens zu minimieren, setzt Großbritannien auch auf die E-Zigarette. Daher ist Werbung für Tabakprodukte verboten und für E-Zigaretten erlaubt. In England konnte auf der Populationsebene bei Rauchern zwischen 2006 und 2016 ein sprunghafter Anstieg des E-Zigarettenkonsums, aber keine Reduktion der Anzahl täglich gerauchter herkömmlicher Zigaretten beobachtet werden (5).

Eine erste Studie zur Prüfung der Tauglichkeit der E-Zigarette als Rauchstopphilfe im jungen Erwachsenenalter rekrutierte 5 128 Schweizer Männer im Alter von 20 Jahren (6). Mithilfe einer Beobachtungsstudie über 15 Monate wurde geprüft, ob sich E-Zigaretten-Konsumenten von Nicht-Konsumenten im Hinblick auf die Anzahl gerauchter Zigaretten, erfolgreichen Rauchstopp oder Rauchstoppversuche voneinander unterscheiden. Ein vorteilhafter Effekt des E-Zigaretten-Konsums im Follow-up konnte weder im Hinblick auf den Rauchstopp noch auf die Reduzierung des Zigarettenkonsums gefunden werden.

In unserer Studie rauchten 215 Zehntklässler zum ersten Messzeitpunkt täglich konventionelle Zigaretten. Von dieser Grundgesamtheit hatten 200 zum ersten Messzeitpunkt auch schon E-Zigaretten konsumiert (93,0 %). Im Follow-up gaben 10 der ehemals täglichen Raucher an, „gar nicht“ konventionelle Zigaretten zu rauchen, was einer Rauchstopprate von 4,7 % entspricht. Von den 10 Jugendlichen, die das Rauchen konventioneller Zigaretten eingestellt haben, hatten 9 Jugendliche E-Zigaretten konsumiert, 1 Jugendlicher nicht. Relativ gesehen betrug somit die Rauchstopprate in der Gruppe der E-Zigaretten-Nutzer 4,5 % und in der Gruppe der Nicht-E-Zigaretten-Konsumenten 6,7 %. 3 der 9 Jugendlichen mit E-Zigarettenerfahrung konsumierten in den letzten 30 Tagen vor der zweiten Erhebung E-Zigaretten. Der 1 Jugendliche ohne E-Zigaretten-Erfahrung war komplett rauchfrei, das heißt er konsumierte zum zweiten Messzeitpunkt auch keine E-Zigaretten.

Natürlich freuen wir uns über jeden Raucher, der es schafft, mit Hilfe der E-Zigarette das Rauchen aufzugeben. Der Konsum von E-Zigaretten selbst ist allerdings gesundheitlich nicht unbedenklich, weil eine große Anzahl ultrafeiner lungengängiger Partikel sowie Nikotin inhaliert werden, die zu pulmonalen oder systemischen Entzündungsreaktionen führen können, welche wiederum die Atherosklerose begünstigen und das Risiko für kardiovaskuläre und respiratorische Erkrankungen erhöhen (7). Etwa zwei Drittel aller Raucher versterben an diesen Erkrankungen (4). Mittel- und langfristige gesundheitliche Folgen des E-Zigarettenkonsums sowie die passive Belastung Dritter durch E-Zigaretten-Aerosol sind zudem noch überhaupt nicht erforscht. Daher stellt sich uns die Frage, ob es ethisch gerechtfertigt ist, 18 Millionen Rauchern in Deutschland eine derzeit nicht leitlinienkonforme, nicht evidenzbasierte Maßnahme zu empfehlen.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0479b

Prof. Dr. phil. Reiner Hanewinkel

PD Dr. phil. Matthis Morgenstern

Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung

IFT-Nord gGmbH, Kiel

hanewinkel@ift-nord.de

Michaela Goecke, M.A.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Morgenstern M, Nies A, Goecke M, Hanewinkel R: E-cigarettes and the use of conventional cigarettes—a cohort study in 10th grade students in Germany. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 243–8 VOLLTEXT
2.
Hartmann-Boyce J, McRobbie H, Bullen C, Begh R, Stead LF, Hajek P: Electronic cigarettes for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev 2016; 9: CD010216 CrossRef
3.
Halpern SD, Harhay MO, Saulsgiver K, Brophy C, Troxel AB, Volpp KG: A Pragmatic Trial of E-Cigarettes, Incentives, and Drugs for Smoking Cessation. N Engl J Med 2018; 378: 2302–10 CrossRef MEDLINE
4.
Glantz SA, Bareham DW: E-Cigarettes: use, effects on smoking, risks, and policy implications. Annu Rev Public Health 2018; 39: 215–35 CrossRef MEDLINE
5.
Beard E, Brown J, Michie S, West R: Is prevalence of e-cigarette and nicotine replacement therapy use among smokers associated with average cigarette consumption in England? A time-series analysis. BMJ open. 2018; 8: e016046 CrossRef MEDLINE
6.
Gmel G, Baggio S, Mohler-Kuo M, Daeppen JB, Studer J: E-cigarette use in young Swiss men: is vaping an effective way of reducing or quitting smoking? Swiss Med Wkly 2016; 146: w14271 CrossRef
7.
National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine: Public health consequences of E-cigarettes. Washington, DC: The National Academies Press 2018.
1.Morgenstern M, Nies A, Goecke M, Hanewinkel R: E-cigarettes and the use of conventional cigarettes—a cohort study in 10th grade students in Germany. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 243–8 VOLLTEXT
2.Hartmann-Boyce J, McRobbie H, Bullen C, Begh R, Stead LF, Hajek P: Electronic cigarettes for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev 2016; 9: CD010216 CrossRef
3. Halpern SD, Harhay MO, Saulsgiver K, Brophy C, Troxel AB, Volpp KG: A Pragmatic Trial of E-Cigarettes, Incentives, and Drugs for Smoking Cessation. N Engl J Med 2018; 378: 2302–10 CrossRef MEDLINE
4.Glantz SA, Bareham DW: E-Cigarettes: use, effects on smoking, risks, and policy implications. Annu Rev Public Health 2018; 39: 215–35 CrossRef MEDLINE
5.Beard E, Brown J, Michie S, West R: Is prevalence of e-cigarette and nicotine replacement therapy use among smokers associated with average cigarette consumption in England? A time-series analysis. BMJ open. 2018; 8: e016046 CrossRef MEDLINE
6.Gmel G, Baggio S, Mohler-Kuo M, Daeppen JB, Studer J: E-cigarette use in young Swiss men: is vaping an effective way of reducing or quitting smoking? Swiss Med Wkly 2016; 146: w14271 CrossRef
7.National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine: Public health consequences of E-cigarettes. Washington, DC: The National Academies Press 2018.

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