ArchivDeutsches Ärzteblatt25/1996Börsebius über ethisches Investment: Auf (k)einen grünen Zweig

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius über ethisches Investment: Auf (k)einen grünen Zweig

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Als ich vor zwei Wochen auf der 40-Jahrfeier des bischöflichen Cusanuswerkes den luziden Worten unseres Bundespräsidenten lauschte, erwähnte Roman Herzog, daß die Elite eines Landes neben Leistung auch gesellschaftliche Verantwortung zu tragen habe. Wohl wahr.
Dabei kam mir in den Sinn, wie das denn mit dem Kapital eines Landes sei. Und noch verästelter: mit den Spargroschen eines jeden einzelnen. Die Leistung, die Geld für einen Anleger erwirtschaften soll, ist klar, Zinsen oder Dividenden nämlich. Und davon möglichst viel. Aber wie steht es um die gesellschaftliche Verantwortung des Geldes? Reicht es aus, einfach eine volkswirtschaftliche Funktion (Güter- und Geldkreislauf) zu übernehmen, oder bedarf es dessen mehr?
Bisher wurden Leute, für die bei Geldanlagen neben Rendite, Risiko, Liquidität auch noch der "gute Zweck" eine wichtige Rolle spielte, oft genug als Spinner und Müslisparer scheel angesehen, als unverbesserliche Weltverbesserer halt. Entsprechend klein war demnach die Lust etablierter Adressen, sogenannte "ethische" Geldanlagen anzubieten. Wohl auch aus dem Grund, sich nicht lächerlich zu machen, oder eben, weil die Geschäftsleitung einfach keine großen Umsatzchancen sah.
Daran scheint sich aber nun einiges zu ändern. Die Commerzbank bastelt, so ist zu hören, gerade an einem Konzept für eine "grüne" Brasilien-Anleihe. Ungefähr zwei Prozent des Zinsertrages sollen in Projekte zum Schutz des tropischen Regenwaldes fließen. Wo sich soviel weltpolitische Verantwortung zeigt, muß sich der deutsche Fiskus (natürlich) kleinkariert geben. Es taucht dann sofort die Frage auf: wie ist der gespendete Zinsertrag steuerlich zu behandeln? Gibt es dafür eine Spendenquittung? Und so fort.
Auch andernorts wird gründlich nachgedacht. Das Ergebnis: die "Oeko Capital Lebensversicherung", von der Schweizer Rück, der Gothaer und einer kanadischen Versicherung ins Leben gerufen. Ein Blick nach Amerika zeigt uns, daß ethische Investments dort bereits zum Alltag im Kapitalanlagegeschäft zählen. Jenseits des großen Teiches werden derzeit rund elf Milliarden Dollar "öko-effizient" angelegt.
Das Fazit ist ermutigend. Die Aktivitäten der Commerzbank und anderer zeigen, daß die ehemals als Spinner verlachte Kundengruppe allmählich ernst genommen wird und die gesellschaftspolitische Aufgabe insgesamt auch. Das ist auch gut so. Schießlich darf, was im Ausland schon lange gang und gäbe ist, auch hier auf einen grünen Zweig kommen. Börsebius
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