ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenInfektiologie 1/2018HPV-Impfung (2): Beweiskette verdichtet sich

Supplement: Perspektiven der Infektiologie

HPV-Impfung (2): Beweiskette verdichtet sich

Dtsch Arztebl 2018; 115(27-28): [25]; DOI: 10.3238/PersInfek.2018.07.09.007

Grunert, Dustin

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Dass eine Immunisierung gegen HPV gegen Krebsvorstufen schützt, ist schon lange belegt. Finnische Forscher haben erstmals zeigen können, dass auch die Anzahl der mit dem Virus assoziierten Karzinome sinkt.

Real-world-Daten haben bereits mehrfach die schützende Wirkung einer Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) gezeigt: vor einer Infektion gegen die im Impfstoff enthaltenen HPV-Typen, vor der Ausbildung von Genitalwarzen und vor der Entwicklung von Krebsvorstufen am Gebärmutterhals. Kürzlich ist von finnischen Wissenschaftlern ein sogenannter Letter to the Editor (1) publiziert worden, in dem erstmals beschrieben wird, dass die HPV-Impfung (wie erhofft) die Anzahl HPV-assoziierter Karzinome reduziert. Das Ergebnis ist statistisch signifikant, allerdings wegen der bislang geringen Fallzahlen mit großen Konfidenzintervallen.

Die untersuchte Gruppe Frauen wurde zwischen 2002 und 2005 für Phase-III-Studien zur HPV-Vakzine rekrutiert und bereits vor deren Markteinführung geimpft. In einer Vergleichsgruppe entwickelten sich im Beobachtungszeitraum 10 HPV-assoziierte Tumoren: 8 Zervixkarzinome, 1 Oropharynxkarzinom und 1 Vulvakarzinom. Bei den gegen HPV geimpften Mädchen und jungen Frauen trat keiner dieser Tumortypen auf (Tabelle).

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Anzahl (n) und Inzidenz (pro 100 000 Frauenjahre) von HPV-assoziierten invasiven Krebsarten in clusterrandomisierten Kohorten von insgesamt 9 529 14–17 Jahre alten weiblichen HPV16/18- oder HPV6/11/16/18-Geimpften und 17 838 nicht-HPV-geimpften, zu Beginn 14–19 Jahre alten Frauen
Anzahl (n) und Inzidenz (pro 100 000 Frauenjahre) von HPV-assoziierten invasiven Krebsarten in clusterrandomisierten Kohorten von insgesamt 9 529 14–17 Jahre alten weiblichen HPV16/18- oder HPV6/11/16/18-Geimpften und 17 838 nicht-HPV-geimpften, zu Beginn 14–19 Jahre alten Frauen
Tabelle
Anzahl (n) und Inzidenz (pro 100 000 Frauenjahre) von HPV-assoziierten invasiven Krebsarten in clusterrandomisierten Kohorten von insgesamt 9 529 14–17 Jahre alten weiblichen HPV16/18- oder HPV6/11/16/18-Geimpften und 17 838 nicht-HPV-geimpften, zu Beginn 14–19 Jahre alten Frauen

Prof. Dr. med. Harald zur Hausen, Medizinnobelpreisträger und einer der Wegbereiter der HPV-Impfung, sieht die Entwicklung sehr positiv: „Für Frauen, die erst nach der Markteinführung der Vakzine – also nach 2006 – geimpft wurden, ist es noch immer zu früh für statistisch gesicherte Aussagen zum Rückgang von Gebärmutterhalskrebs.“

Nach einer HPV-Infektion dauere es schätzungsweise 15–30 Jahre, bis eine Krebserkrankung festgestellt werden könne. „Aber der signifikante Rückgang von behandlungspflichtigen Krebsvorstufen, aus denen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Krebs entsteht, spricht eine deutliche Sprache.“

Mittlerweile hat die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts zudem beschlossen, die Impfung gegen HPV auch für Jungen im Alter von 9–14 Jahren zu empfehlen. Zur Hausen vertritt schon lange die Meinung, dass auch Jungen immunisiert werden sollten: „Männer sind die wichtigsten Verbreiter der Infektion. Ich habe immer plakativ gesagt: Würden wir nur die Jungs impfen, würden wir wahrscheinlich mehr Fälle von Gebärmutterhalskrebs verhüten als mit der ausschließlichen Impfung der Mädchen!“

DOI: 10.3238/PersInfek.2018.07.09.007

Dustin Grunert

1.
Luostarinen T, et al.: Vaccination protects against invasive HPV-associated cancers. Int J Cancer 2018; 142 (10): 2186–7 CrossRef MEDLINE
Anzahl (n) und Inzidenz (pro 100 000 Frauenjahre) von HPV-assoziierten invasiven Krebsarten in clusterrandomisierten Kohorten von insgesamt 9 529 14–17 Jahre alten weiblichen HPV16/18- oder HPV6/11/16/18-Geimpften und 17 838 nicht-HPV-geimpften, zu Beginn 14–19 Jahre alten Frauen
Anzahl (n) und Inzidenz (pro 100 000 Frauenjahre) von HPV-assoziierten invasiven Krebsarten in clusterrandomisierten Kohorten von insgesamt 9 529 14–17 Jahre alten weiblichen HPV16/18- oder HPV6/11/16/18-Geimpften und 17 838 nicht-HPV-geimpften, zu Beginn 14–19 Jahre alten Frauen
Tabelle
Anzahl (n) und Inzidenz (pro 100 000 Frauenjahre) von HPV-assoziierten invasiven Krebsarten in clusterrandomisierten Kohorten von insgesamt 9 529 14–17 Jahre alten weiblichen HPV16/18- oder HPV6/11/16/18-Geimpften und 17 838 nicht-HPV-geimpften, zu Beginn 14–19 Jahre alten Frauen
1.Luostarinen T, et al.: Vaccination protects against invasive HPV-associated cancers. Int J Cancer 2018; 142 (10): 2186–7 CrossRef MEDLINE

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