ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2018Organspende: Politik erkennt Handlungsbedarf

POLITIK

Organspende: Politik erkennt Handlungsbedarf

Dtsch Arztebl 2018; 115(27-28): A-1311 / B-1109 / C-1101

Richter-Kuhlmann, Eva

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Die sinkenden Organspendezahlen alarmieren die Politik: Die Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Länder diskutierten im Juni verschiedene Lösungsmöglichkeiten. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) kündigte für den Herbst einen Gesetzentwurf zur Förderung der Organspende an.

Nur noch 797 Organspenden wurden 2017 in deutschen Krankenhäusern durchgeführt. 2012 waren es der Deutschen Stiftung Organtransplantation zufolge noch 1 046. Foto: dpa
Nur noch 797 Organspenden wurden 2017 in deutschen Krankenhäusern durchgeführt. 2012 waren es der Deutschen Stiftung Organtransplantation zufolge noch 1 046. Foto: dpa

Eine erneute Debatte um Reformen in der Organspende hat die Politik erreicht. Im Fokus stehen dabei die Abläufe in den Krankenhäusern, aber auch ein möglicher Systemwechsel vom Einwilligungs- zum Widerspruchsverfahren. Nachdem sich der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt im Mai dafür ausgesprochen hatte, die derzeit bestehende Entscheidungslösung in der Organspende durch eine Widerspruchslösung zu ersetzen, wird das Thema immer breiter diskutiert – zuletzt auf der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz (GMK) Ende Juni in Düsseldorf. Anlass waren historisch niedrige Zahlen bezüglich der Organspende in Deutschland. „Wir müssen alle Kräfte mobilisieren, um den Negativtrend in Deutschland umzukehren“, erklärte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) bei der GMK.

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Eine Trendwende wollen die Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Länder auf zwei Ebenen erreichen: Zum einen soll die Organspende in den Krankenhäusern verstärkt gefördert werden. Die Bereitschaft der Krankenhäuser, die vorhandenen Potenziale für Organspenden intensiv auszuschöpfen, müsse gesteigert werden, heißt es in einem einstimmig gefassten GMK-Beschluss. Zudem bitten die Minister die Bundesregierung, „die gesetzlichen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die Aufwendungen der Entnahmekrankenhäuser für alle mit einer Organentnahme im Zusammenhang stehenden Maßnahmen, einschließlich der Kosten für die Freistellung der Transplantationsbeauftragten, vollständig durch die Kostenträger finanziert werden“.

„Wir wollen eine bessere und verbindliche Finanzierung bei den Organspenden. Es soll eine Personalstelle nur für das Thema Organspenden pro 100 Intensivbetten geben“, konkretisierte Prüfer-Storcks. Zudem empfehlen die Landesminister die zusätzliche Einführung eines flächendeckenden Berichtssystems, das eine Rückschau ermöglicht, ob in den Entnahmekrankenhäusern die Potenziale für die Realisierung von Organspenden ausgeschöpft wurden.

Als einen zweiten Ansatzpunkt sehen die für Gesundheit zuständigen Ministerinnen und Minister eine gesellschaftliche Debatte darüber angebracht, ob nicht eine „bewusste, verpflichtende Entscheidung jedes Einzelnen“ für oder gegen eine Organspende oder eine Widerspruchslösung für Deutschland der richtige Weg wäre. Die Bereitschaft der Menschen, Organe zu spenden, sei sehr groß, argumentierten sie.

Den Vernehmen nach votiert die Mehrzahl der Minister für einen Systemwechsel hin zu einer Widerspruchslösung, wie ein Kamingespräch am Rande der GMK zeigte. Zu den Befürwortern eines solchen Richtungswechsels gehört Ge­sund­heits­mi­nis­ter von Nordrhein-Westfalen (NRW), Karl-Josef Laumann (CDU): „Wir müssen hin zu einer Pflicht zur Entscheidung“, erläuterte er den Ansatz der Minister. Zudem kündigte er an, in den Sommermonaten die 18 neurochirurgischen Kliniken in NRW zu besuchen und Lösungen für eine bessere Organisation der Transplantationen zu diskutieren.

Spahn kündigt Gesetz an

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) reagierte prompt auf die Beschlüsse der GMK. Für September kündigte er einen Gesetzentwurf an, der eine bessere finanzielle Ausstattung der Kliniken sowie eine Stärkung der Transplantationsbeauftragten nach sich ziehen soll. Zugleich versprach er, die Debatte um die Organspende in Gesellschaft und Parlament voranzutreiben. Es sei mehr Verbindlichkeit nötig, meinte er. Von der Einführung einer Widerspruchslösung, bei der alle Menschen als Organspender gelten, die sich nicht ausdrücklich dagegen ausgesprochen haben, sprach er dabei nicht konkret. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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