ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2018COPD und Bewegung: Effektive Bronchodilatation nötig

PHARMA

COPD und Bewegung: Effektive Bronchodilatation nötig

Dtsch Arztebl 2018; 115(27-28): A-1337

Bischoff, Angelika

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Im Verlauf der COPD bewegen sich Patienten aufgrund der Dyspnoe immer weniger. Die einfache Aufforderung, sich mehr zu bewegen, reicht nicht. Eine Anleitung zum körperlichen Training in Kombination mit einer optimalen medikamentösen Einstellung verbessert die Therapieergebnisse.

COPD-Patienten, die trainieren, haben deutlich weniger Luftnot, sind weniger müde, können ihren Alltag besser bewältigen und gewinnen insgesamt an Lebensqualität (1). Mit diesen Aussichten lassen sich viele Patienten auch zu körperlicher Aktivität motivieren. Doch die Voraussetzung dafür, dass ein Training möglich ist, schafft erst eine effektive medikamentöse Bronchodilatation.

Die COPD betrifft nicht nur die Lunge, sondern stellt eine systemische Inflammation dar, erklärte Dr. med. Matthias Krüll, niedergelassener Pneumologe aus Berlin. Die Entzündung ergreift häufig auch die Muskulatur und das Herz-Kreislauf-System. Dazu kommt, dass sich die Patienten aufgrund der Dyspnoe immer weniger bewegen. Entsprechend verlieren sie an Muskelmasse. Zusätzlich limitiert die Überblähung die Belastbarkeit. In dieser Situation ist es nicht damit getan, die Patienten einfach aufzufordern, dass sie Sport machen sollen, unterstrich Krüll. Man muss sie vielmehr dazu anleiten, wie sie es schaffen können, sich durch Bewegung aus der Abwärtsspirale Luftnot-Inaktivität-Muskelabbau zu befreien.

Anzeige

In kleinen Schritten beginnen

Prof. Dr. med. Dr. Sportwiss. Christine Graf, Köln, riet zu einem niederschwelligen Einstieg: Jede Minute mehr Training zählt. Man muss nicht gleich mit 30 Minuten moderater Aktivität pro Tag anfangen. Zunächst sei es völlig ausreichend, den Alltag aktiver zu gestalten. Mit einem Schrittzähler lassen sich viele Patienten dazu leichter motivieren.

Bei leichter bis mittelschwerer COPD kann der Schwerpunkt auf Ausdauertraining, zum Beispiel Walken, gelegt werden. Bei schwerer COPD muss zunächst durch ein Krafttraining wieder etwas Muskulatur aufgebaut werden, damit überhaupt wieder welche vorhanden ist, die man bewegen kann. Selbst schwerkranke COPD-Patienten nach einer Exazerbation sind trainierbar, zum Beispiel auf einem Vibrationsmuskeltrainer. Nur 3-mal 2 Minuten pro Tag zusätzlich zur Standardphysiotherapie reichen, um die Belastbarkeit und die Lebensqualität im Vergleich zu nicht trainierenden Patienten zu verbessern.

Großzügig verordnen sollte man auch das evaluierte Rehabilitationsprogramm „Lungensport“ mit 120 Übungseinheiten, unterstrich Krüll. Im Lungensport lernen die Patienten einen optimalen Umgang mit ihren Einschränkungen, zum Beispiel atemerleichternde Stellungen wie den Kutschersitz und den Einsatz der Atemhilfsmuskulatur. Sie nehmen an einem inspiratorischen Muskeltraining teil sowie an Krafttraining und Koordinationsübungen.

Eine Voraussetzung für körperliche Aktivität ist, dass der Patient medikamentös optimal eingestellt ist. Eine effektive duale Bronchodilatation per se verbessert schon die Belastbarkeit. Sie vermindert auch Überblähung als limitierenden Faktor, wie die ACTIVATE-Studie mit dem modernen LAMA/LABA-Kombinationspräparat Aclidinium/Formoterol (Brimica® Genuair®) zeigen konnte (2). Die funktionelle Residualkapazität war in der LAMA-LABA-Gruppe um 0,125 L größer. Damit nahm auch die Aktivität der Patienten zu: Nach 8 Wochen legten sie durchschnittlich 510 Schritte pro Tag mehr zurück als die Patienten in der Placebogruppe (653 vs. 143). „Das ist eine Menge für Patienten, die sonst kaum ohne Luftnot vom Sofa ins Bad kommen“, so Krüll.

Besonders stark durch Symptome geplagt werden COPD-Patienten oft in den Morgenstunden (3). Möglicherweise ist dies zumindest teilweise durch den zirkadianen Rhythmus der cholinergen Aktivität bedingt (4). Denn morgens findet sich in den Atemwegen ein erhöhter cholinerger Tonus. Gerade in dieser Zeit ist aber eine Reihe von Alltagsaktivitäten wie Aufstehen, Duschen und Ankleiden zu bewältigen. Nach einer aktuellen Metaanalyse fühlen sich die Patienten durch den morgendlichen Symptomgipfel erheblich in ihren Alltagsaktivitäten behindert.

Körperliche Aktivität verbessert

Frühmorgendliche Beschwerden ließen sich einer gepoolten Analyse (5) der Zulassungsstudien ACLIFORM/AUGMENT zufolge mit Aclidinium/Formoterol signifikant effektiver behandeln als mit den beiden Komponenten in Monotherapie. Auch die körperliche Aktivität verbesserte die Kombination signifikant mehr. Dr. med. Angelika Bischoff

Quelle: Symposium „Prognosefaktor Aktivität – Bewegung zahlt sich aus“ in Mannheim, 15. April 2018, im Rahmen des DGIM-Kongresses. Veranstalter: Berlin-Chemie.

1.
Lacasse Y, et al.: Lancet 1996; 348: 1115–9 CrossRef
2.
Watz H, et al.: Int J COPD 2017; 12: 2545–58 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Van Buul AR, et al.: Expert Rev Respir Med 2017; 11 (4): 311–32 CrossRef MEDLINE
4.
Blasi F, et al.: Respir Res 2017; 18: 19 CrossRef CrossRef
5.
Bateman ED, et al.: Respis Res 2015; 16: 92 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.Lacasse Y, et al.: Lancet 1996; 348: 1115–9 CrossRef
2.Watz H, et al.: Int J COPD 2017; 12: 2545–58 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Van Buul AR, et al.: Expert Rev Respir Med 2017; 11 (4): 311–32 CrossRef MEDLINE
4.Blasi F, et al.: Respir Res 2017; 18: 19 CrossRef CrossRef
5. Bateman ED, et al.: Respis Res 2015; 16: 92 CrossRef MEDLINE PubMed Central

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema