ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2018GOÄ-Ratgeber: Einbringung einer Bandscheiben-Prothese

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GOÄ-Ratgeber: Einbringung einer Bandscheiben-Prothese

Dtsch Arztebl 2018; 115(27-28): A-1346 / B-1136 / C-1128

Ulmer, Martin

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Die Implantation einer Bandscheiben-Prothese stellt bei degenerativen Veränderungen unter bestimmten Voraussetzungen eine operative Alternative zur Versteifung der Wirbelsäule (Spondylodese) dar. Nach Entfernung der Bandscheibe wird dabei die mit einem – zumeist aus Kunststoff bestehenden – beweglichen Kern versehene Prothese in den Zwischenwirbelraum implantiert. Dadurch soll im Gegensatz zur Versteifungsoperation die Beweglichkeit der Wirbelsäule erhalten bleiben.

Da dieser Eingriff in dem veralteten Gebührenverzeichnis der GOÄ bislang nicht abgebildet ist, muss nach den Bestimmungen des § 6 Abs. 2 GOÄ die analoge Abrechnung über eine nach Art, Kosten– und Zeitaufwand gleichwertige Leistung des Gebührenverzeichnisses erfolgen. Hierzu hat der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer folgende – vom Ausschuss Gebührenordnung der Bundes­ärzte­kammer befürwortete – Abrechnungsempfehlung beschlossen und im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht: „Abrechnung der Einbringung einer Bandscheiben-Prothese: Die Einbringung einer, zumeist zervikalen oder lumbalen, Bandscheiben-Prothese ist nach Nr. 2287 GOÄ neben der zugrunde liegenden Hauptleistung (z. B. der Nr. 2577 GOÄ) abzurechnen“ (Heft 19 vom 11.5.2012). Aufgrund der Verwendung des Singulars in der Leistungslegende ist auch ein mehrfacher Ansatz der Nr. 2287 möglich, wenn im Rahmen einer Operation mehrere Bandscheiben-Prothesen implantiert werden müssen.

Allerdings wurde von Kran­ken­ver­siche­rungen immer wieder die Frage aufgeworfen, ob es sich bei der Implantation einer Bandscheiben-Prothese nicht lediglich um eine geringer zu bewertende Leistung, beispielsweise im Sinne der Nr. 2284 (Stabilisierende operative Maßnahmen (z. B. Knochenspaneinpflanzung, Einpflanzung alloplastischen Materials), zusätzlich zu Nummer 2282 oder Nummer 2283) oder 2285 (Operative Versteifung eines Wirbelsäulenabschnittes – einschließlich Einpflanzung von Knochen oder alloplastischem Material, als alleinige Leistung) handle. Bereits vor der Abrechnungsempfehlung der Bundes­ärzte­kammer wurde jedoch die (analoge) Abrechnung der Nr. 2287 für die Einbringung einer Bandscheiben-Prothese durch die Rechtsprechung mehrfach bestätigt. So hatte bereits das Amtsgericht Heidelberg in einem Urteil vom 10.9.2009 (Az.: 21 C 266/07) festgestellt, dass die Implantation einer Bandscheiben-Prothese – neben der Nr. 2566 – über den (analogen) Ansatz der Nr. 2287 je Segment in Rechnung gestellt werden könne. Die Anwendung der Nr. 2287 wurde weiterhin von den Amtsgerichten Weinheim (Urteil vom 22.6.2011, Az.: 3 C 151/09), Wiesloch (Urteil vom 21.10.2011, Az.: 3 C 86/08) und Bruchsal (Urteil vom 2.8.2011, Az.: 2 C 299/09) bestätigt.

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Nach der Veröffentlichung der Abrechnungsempfehlung der Bundes­ärzte­kammer im Deutschen Ärzteblatt haben das Amtsgericht Heidelberg (Urteil vom 23.5.2012, Az.: 29 C 461/10) und das Landgericht Darmstadt (Urteil vom 6.8.2014, Az.: 25 S 171/12) ebenfalls den Ansatz der Nr. 2287 für die Implantation einer Bandscheiben-Prothese für sachgerecht erachtet. Das Landgericht Darmstadt hat sich dabei auch auf die Empfehlung der Bundes­ärzte­kammer bezogen. Dipl.-Verw.Wiss. Martin Ulmer

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