ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2018Humane Papillomviren: Kommission empfiehlt Impfung für Jungen

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Humane Papillomviren: Kommission empfiehlt Impfung für Jungen

Dtsch Arztebl 2018; 115(27-28): A-1348 / B-1138 / C-1130

Hillienhof, Arne

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Foto: Jungen/picture alliance
Foto: Jungen/picture alliance

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat in einer Vorabinfo die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) für alle Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren empfohlen. Eine Nachholimpfung wird bis zum Alter von 17 Jahren angeraten. Die Impfempfehlung für Mädchen bleibt unverändert. Formal gilt die Empfehlung ab Veröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin. Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss wird dann auch die Kostenübernahme der Impfung durch die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung klären. Erste Krankenkassen haben bereits angekündigt, die Leistung grundsätzlich zu übernehmen.

Der Medizin-Nobelpreisträger Prof. Dr. med. Harald zur Hausen, Wegbereiter der HPV-Impfung, fordert bereits seit Jahren, auch die Jungen zu impfen. „Es gibt ja schon seit Langem eine ganze Reihe an zwingenden Gründen dafür, auch Jungs zu impfen: Das offensichtlichste Argument ist, dass in nahezu allen Kulturen die jungen Männer mehr Sexualpartner haben als Frauen der gleichen Altersgruppe. Damit sind Männer die wichtigsten Verbreiter der Infektion“, sagt zur Hausen.

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Jungen beziehungsweise Männer profitierten aber auch selbst von der Impfung. „Die Impfung schützt ja nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs, sondern auch vor verschiedenen anderen Krebsarten, die auch Männer treffen können und die durch die gleichen HPV-Typen ausgelöst werden, etwa Mund-Rachen-Krebs oder Analkrebs. Insgesamt gehen pro Jahr in Deutschland etwa 1 000 Krebsfälle bei Männern auf das Konto von HPV“, so zur Hausen.

Neben dem wirksamen Schutz vor Krebs könne die Impfung auch vor den weitverbreiteten Genitalwarzen schützen, die zwar nicht lebensbedrohlich, dafür aber sehr hartnäckig und unangenehm seien.

Laut zur Hausen sei in Deutschland bislang nur ein verschwindender Bruchteil der Jungen gegen die krebserregenden HPV geschützt. Die Impfrate bei Mädchen liege bei rund 40 Prozent. Deutschland sei „meilenweit von einem Gemeinschaftsschutz entfernt“, so der Nobelpreisträger. hil

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