ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2018Skabies: Extrakutane Unwägbarkeiten
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Das Ringen um eine nachhaltige Therapie der Skabies muss m. E. noch ergänzt werden um ein überzeugenderes Konzept der extrakutanen Milbensanierung, als es derzeit hierzulande propagiert wird.

a) Frau Dr. Kämmerer (1) unterstellt ein „überleben der Milbe außerhalb der Haut für circa 24 Stunden“; aus diesem einen Tag schließt sie auf eine Infektiosität von Bett- und Leibwäsche von „bis zu 2 Tagen“; die Dekontamination schließlich sei „möglich durch 60-Grad-Wäsche oder Lagern der Wäsche in verschlossenen Plastiksäcken für 3 Tage.“

b) Die publizierten Leserbriefe im Doppelheft 20–21/2018 des Deutschen Ärzteblattes greifen diese Diskrepanzen nicht auf und postulieren auch nicht etwa eine längere extrakutane Überlebenszeit/längere Karenz potenziell kontaminierter Gegenstände/längere spontane Dekontaminationsdauer.

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c) In der gültigen AWMF-,,Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Skabies“
Nr. 013–052 (2) heißt es, ,,dass bei in Deutschland üblichen Raumtemperaturen und Luftfeuchtigkeit Skabiesmilben mit großer(!) Wahrscheinlichkeit nicht länger als 48 Stunden infektiös bleiben“. Zur spontanen Dekontamination potenzieller Überträgermedien (Textilien) „empfehlen wir ... sicherheitshalber 72 Stunden (... ) bei mindestens(!) 21 °C und möglichst(!) geringer Luftfeuchtigkeit.“ Bei der (erregerreichen) Scabies crustosa („norvegica“) müsse demgegenüber jedoch „berücksichtigt werden, dass die Absterberate der Milben einer statistischen Funktion folgt und somit nach 72 Stunden noch infestationsfähige Milben vorhanden sein können. Hier empfehlen wir eine Lagerung für mindestens sieben Tage bei (sic!) konstant ≥ 21 °C und möglichst geringer Luftfeuchtigkeit.“

d) Die Europäische Skabies-Leitlinie (3) weist dankenswerterweise darauf hin, dass die noch unreifen Milben extrakutan bis zu einer Woche überleben können – auch durch diese kann, nach Erreichen der Geschlechtsreife, eine Neu- oder Wieder-
Infektion eines Menschen erfolgen.

e) Interessierte Patienten entnehmen dem lnfectoscab® (Permethrin)-Creme Beipackzettel: ,,Über einen Zeitraum von 14(!) Tagen Bekleidung, Bettwäsche und Handtücher täglich wechseln und bei mindestens 60 °C waschen. Nicht bei mindestens 60 °C waschbare Gegenstände (z. B. Oberbekleidung) einige Tage in einem geschlossenen Plastikbeutel aufbewahren.“

f) Ich selbst habe ein klinisch-dermatologisches Berufsleben lang mit der grundsätzlichen Orientierung aller relevanten Entscheidungen an einer 7-tägigen extrakutanen Überlebensfähigkeit von Skabiesmilben medizinisch nur gute Erfahrungen gemacht (7 Tage Karenz potenziell kontaminierter Gegenstände/7 Tage spontane Dekontaminationsdauer).

g) Zu guter Letzt: Bei der Reinfektionsmöglichkeit im patienteneigenen häuslichen Umfeld dürfte es sich juristisch um ein sog. voll beherrschbares Risiko handeln. Über die Beherrschbarkeits-Kautelen muss selbstverständlich zutreffend aufgeklärt werden – die Frage ist nur: welche Bedingungen treffen denn nun angesichts der skizzierten Unwägbarkeiten tatsächlich zu?

Literatur beim Verfasser

Dr. med. Albert Haußmann, 71334 Waiblingen

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