ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2018Reform der Psychotherapieausbildung: Warten auf ein Gesetz

EDITORIAL

Reform der Psychotherapieausbildung: Warten auf ein Gesetz

PP 17, Ausgabe Juli 2018, Seite 289

Bühring, Petra

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Erwartet worden war ein Vertreter oder eine Vertreterin der Fachebene des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums (BMG), der/die womöglich inhaltlich auf die Punkte eingeht, die im Arbeitsentwurf für ein „Psycho­therapeuten­ausbildungs­reform­gesetz“ noch nicht ausgereift sind. Vorgesehen war im Programm des Symposiums der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) am 26. Juni zur Psychotherapiereform (siehe auch Seite 295) jedenfalls ein Zeitraum von einer halben Stunde, die zu füllen man schon ein wenig Stoff hätte mitbringen müssen. Statt eines Fachreferenten kam der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter – wenngleich nicht persönlich. Jens Spahn schickte eine Videobotschaft von schätzungsweise drei Minuten. Ihm sei daran gelegen, die Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung „auf einen modernen Stand heben“ und er wolle das Reformgesetz noch in dieser Wahlperiode zum Abschluss bringen – „und zwar nicht erst im Jahr 2021“, schob er hinterher. Das sind doch gute Nachrichten, möchte man meinen: nachdem der Arbeitsentwurf aus dem BMG bereits seit dem 26. Juli 2017 da liegt. Auf diesen Entwurf mussten die Psychotherapeuten schon jahrelang warten und hatten eigentlich gehofft, das Gesetz in der letzten Legislatur durchbringen zu können. Schließlich hatte sich bereits 2010 der 16. Deutsche Psychotherapeutentag für eine Reform der Ausbildung ausgesprochen, nachdem die BPtK Reformeckpunkte ausgearbeitet hatte. Ganz zu schweigen von den angehenden Psychotherapeuten, die über all dieses Warten und Hoffen in immer neuen Konstellationen nicht müde werden, die Politik auf ihre prekäre finanzielle Situation während ihrer drei- bis fünfjährigen Ausbildung aufmerksam zu machen. Zuletzt mit einer Petition an den Gesundheitsausschuss des Bundestages (siehe Seite 292).

Die Regierungskoalition habe die Reform der Psychotherapieausbildung in der letzten Legislaturperiode „nicht ernst genug genommen“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Maria Klein Schmeink, bei einer Fachtagung zur Weiterbildung von 19 psychotherapeutischen Verbänden am 7. Juni in Berlin (siehe Seite 295). Doch nun sei sie optimistischer, schließlich gebe es jetzt ein „Commitment der Länder“, ein Ausbildungsreformgesetz voranzubringen.

Die Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz (GMK) der Länder hat jedenfalls in einem einstimmigen Beschluss am 20./21. Juni deutlich gemacht, dass sie das vorgesehene direkte Hochschulstudium der Psychotherapie für den „geeigneten Weg“ hält, um die Ausbildung strukturell den anderen akademischen Heilberufen anzupassen. Die Qualität der postgradualen Ausbildung müsse für die zukünftige Weiterbildung erhalten bleiben, dies solle das BMG sicherzustellen. Bisher klammert der Arbeitsentwurf die Weiterbildung noch aus. Die Ge­sund­heits­mi­nis­ter fordern das BMG auf, „zeitnah“ einen Gesetzentwurf vorzulegen, und das Gesetzgebungsverfahren unter kontinuierlicher Beteiligung der Länder „zügig“ voranzutreiben.

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Bleibt noch die Ablehnung der verfassten Ärzteschaft gegenüber einer Reform der Psychotherapieausbildung. Die Frage wird sein, in wie weit sich die Parlamentarier von der Sorge der Ärzte überzeugen lassen, die um die künftige Existenz der ärztlichen Psychotherapie fürchten, wenn ein Psychotherapiestudium kommt.

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