ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2018Persönlichkeitsstörung: Ausbildung zu theorielastig
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Vielen Dank für das informative Interview mit Prof. Sachse: Ich hoffe, es wird deutlich, wie schwierig die Behandlung dieser Patienten ist und wie viel Zeit dies oft beansprucht – damit man auch nicht immer Prügel von – mit dieser Problematik nicht vertrauten – Behandlern beziehungsweise von Kassengutachtern bekommt, wenn sich eine Behandlung mal etwas hinzieht und die einem dann das Gefühl vermitteln, hier nicht gut gearbeitet, wenn nicht überhaupt versagt zu haben. Bei Persönlichkeitsstörungen passiert dies in aller Regel, vorausgesetzt dass man überhaupt eine Therapie genehmigt bekommt. Eine konsequente Technik von Deutung und Konfrontation wird an unseren Instituten leider nicht hinreichend vermittelt, die Ausbildungen sind äußerst theorielastig und selbst im Fach Behandlungstechnik werden Bücher über selbige konsumiert, aber kaum mit praktischen Beispielen gearbeitet, sodass die Kandidaten meist völlig hilflos vor dem ersten Patienten stehen mit einer Menge Wissen im Kopf, aber keiner Ahnung, was sie jetzt konkret tun sollen und das WIE des Deutens und Konfrontierens als zentrales Agens nicht vermittelt bekamen. (...) Nicht übereinstimmen kann ich mit Rainer Sachse in Bezug auf das Verweisen an einen anderen Therapeuten, der es dann vielleicht besser kann. Das stabilisiert das pathogene Denksystem des Patienten erneut, indem signalisiert wird, dass das Scheitern nicht an ihm liegt, sondern nur der Therapeut nicht fähig war. Da würde man ihm besser signalisieren, dass es ihm offenbar zu schwerfällt und zu viel Angst bereitet, seine bisherige Sicht von sich und der Welt infrage zu stellen und zu reflektieren, dies wäre aber nötig, damit man ihm helfen könne – oder etwas in der Art. Das wäre Gift in einer homöopathischen Dosis, das vielleicht doch noch eine heilsame Wirkung entfalten könnte. Hier konterkariert sich Sachse leider selber, abgesehen davon, dass auch der Nachfolgekollege wenig begeistert sein wird und der Kassengutachter angesichts eines Therapieabbruchs noch viel weniger.

Ursula Mayr, 83236 Übersee

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