ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2018Persönlichkeitsstörung: Teil der Beziehungsgestaltung
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Ich meine, dass die Fähigkeit zur Konfrontation eine grundsätzliche therapeutische Kompetenz darstellt und nicht nur bei Menschen mit der Diagnose Persönlichkeitsstörung erforderlich ist. Auch bei Menschen mit anderen Diagnosen kann Konfrontation notwendig sein. Das ist zum Beispiel der Fall bei Depression, wenn uns der Patient/die Patientin dazu bringen will, besonders fürsorglich und schonend mit ihm umzugehen und so jede aggressive Note aus dem Kontakt herauszuhalten versucht. Bestimmt kann man das nicht nur mit Konfrontation angehen, aber mögliche Alternativen zur Konfron-tation gelten dann auch bei der Diagnose Persönlichkeitsstörung. Immer wenn Patienten ihre „Störung“ zur Manipulation von Therapeuten „einsetzen“, kann Konfrontation angezeigt sein.

Das leitet über zu dem, was mir nicht gefallen hat: „Es reicht eben nicht, eine gute Beziehungsgestaltung hinzukriegen …“ Diese Formulierung erweckt den Eindruck, als sei „gute Beziehungsgestaltung“ in der Therapie so etwas wie netter Umgang, Schaffung eines guten Klimas, freundlich getönte, verständnisvolle Zuwendung – und sonst nichts. Die Formulierung von Herrn Sachse klingt so, als seien diejenigen Psychotherapeuten, die die Beziehungsgestaltung als das eigentliche (und ausreichende) Agens der Therapie betrachten, einfach zu brav, als würden sie zu sehr auf gute Atmosphäre achten – und damit nicht effektiv genug sein. Das kann man als Geringschätzung der entsprechenden psychotherapeutischen Orientierungen interpretieren, nämlich der Humanistischen Psychotherapie. Und da reagiere ich ganz empfindlich. Die Konfrontation ist gegebenenfalls therapeutische Antwort auf die Art der Beziehungsgestaltung. Sie ist „eben“ Teil einer „guten Beziehungsgestaltung“ und kein Widerspruch zu ihr.

Dipl.-Psych. Roland Raible, 88239 Wangen

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