ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2018Expositionstherapie: Unsicherheiten und Vorbehalte abbauen

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Expositionstherapie: Unsicherheiten und Vorbehalte abbauen

PP 17, Ausgabe Juli 2018, Seite 332

Koch, Joachim

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Nach wie vor besteht eine Diskrepanz zwischen der Wirksamkeit und der Anwendung von Exposition und Konfrontation in der Psychotherapie. Studien haben gezeigt, dass Expositionstherapien bei Angststörungen, Zwangsstörungen, Posttraumatischer Belastungsstörung, bei alkoholbezogenen Störungen sowie bei Essstörungen als hocheffektives Verfahren gewertet werden können. Dennoch werden sie in der Praxis nur selten angeboten. Die Autoren wollen Unsicherheiten und Vorbehalte gegenüber der Expositionstherapie abbauen, indem sie mit dem praktischen Vorgehen vertraut machen und dazu ermutigen, eigene Erfahrungen mit dem Verfahren zu machen.

Dazu werden im ersten Kapitel fünf Formen von Konfrontation unterschieden und ausführlich beschrieben. In einem kurzen Theoriekapitel wird mit den Wirkmechanismen der Habituation, Gegenkonditionierung, Emotionalen Verarbeitung („emotional processing“) sowie Extinktion und inhibitorischem Lernen vertraut gemacht. Die Autoren bekennen, dass aus wissenschaftlicher Sicht heute noch keine Über- oder Unterlegenheit einer einzelnen Strategie belegt werden kann. Sie weisen darauf hin, dass die Selbstwirksamkeitserwartung einer der stärksten Prädikatoren des Ansprechens auf eine Expositionsbehandlung ist und regen dazu an, darauf achtzugeben, dass Patienten erreichte Erfolge ihren eigenen Fähigkeiten und Handlungen zuschreiben.

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Nach einem kurzen Kapitel über Diagnostik und Indikation steht im Hauptteil des Buches die Behandlung auf hundert Seiten im Mittelpunkt. Systematisch, praxisnah und gut verständlich werden nacheinander in Unterkapiteln die vier Arten der Exposition (In-vivo-Exposition, interozeptive Exposition, In-sensu-Exposition und Cue-Exposition) behandelt. Die Vorbereitung und die Durchführung werden detailliert beschrieben. Die Autoren weisen darauf hin, dass vor der Aufnahme der Konfrontationsbehandlung die zentralen Befürchtungen sowie Sicherheits- und Vermeidungsverhaltensweisen bekannt sein müssen und die Patienten sich explizit für die Behandlung entschieden haben müssen, um die Verantwortung für den Fortgang der Behandlung zu übernehmen. Zu jeder Art wird das Thema Besonderheiten und Umgang mit Schwierigkeiten behandelt, bei der In-vivo-Exposition werden beispielsweise spezielle Hinweise zu den einzelnen Phobien und Zwängen gegeben. Zur Erläuterung dienen ausführliche Fallbeispiele. Auch die ausführliche Beschreibung von Maßnahmen zur Symptomprovokation bei der interozeptiven Exposition oder das Beispiel eines Sorgenskripts bei der imaginativen Exposition zeigen die hohe Praxisrelevanz. Abschließend werden neuere Entwicklungen diskutiert wie die Virtual Reality Exposure Therapie oder der gezielte Einsatz von Medikamenten, um das Extinktionslernen zu unterstützen. Joachim Koch

Tobias Teismann, Jürgen Margraf: Exposition und Konfrontation. Hogrefe Verlag, Göttingen 2018, 133 Seiten, kartoniert, 24,95 Euro

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