ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2018Prävention von Herpes zoster: Auch Ältere geschützt

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Prävention von Herpes zoster: Auch Ältere geschützt

Dtsch Arztebl 2018; 115(29-30): A-1390

Bischoff, Angelika

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Herpes zoster kann jeden treffen und sehr schmerzhaft sein. Die Therapiemöglichkeiten sind begrenzt. Umso mehr Bedeutung besitzt die Impfprävention. Hierfür gibt es jetzt mit Shingrix, dem ersten adjuvantierten Totimpfstoff gegen Herpes zoster, eine hocheffektive neue Option.

Fast alle Menschen sind durch eine in der Kindheit durchgemachte Windpockeninfektion mit dem Varicella-Zoster-Virus (VZV) infiziert. Die Viren „schlummern“ unter Kontrolle eines funktionierenden Immunsystems oft Jahrzehnte in Spinalganglien, erklärte Dr. rer. nat. Alfred von Krempelhuber, Leiter Erwachsenenimpfstoffe der GSK Deutschland.

Bei nachlassender Immunfunktion im Alter können die Viren reaktiviert werden und einen Herpes zoster im zugehörigen Dermatom verursachen: einen juckenden und oft sehr schmerzhaften Hautausschlag. In Deutschland erkrankt durchschnittlich ein Drittel aller Menschen irgendwann im Laufe des Lebens an einer Gürtelrose. Je älter die Menschen werden, desto höher steigt das Risiko für das Auftreten eines Herpes zoster und für einen schweren Verlauf der Erkrankung. Auch immunsuppressive Therapien, die heute breit angewendet werden, erhöhen das Risiko.

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Risiko einer Neuralgie

Die Therapiemöglichkeiten sind begrenzt. Virostatika können den Verlauf nur dann positiv beeinflussen, wenn sie innerhalb von 72 Stunden nach Eruption der typischen Hauteffloreszenzen gegeben werden. Ansonsten kann man versuchen, mit Analgetika die Schmerzen zu lindern. Bis zu 30 % der an Herpes zoster Erkrankten erleiden nach Abklingen der eruptiven Phase eine Neuralgie, auch dieses Risiko steigt mit dem Alter. Die Neuralgie kann extrem schmerzhaft sein und spricht oft sehr schlecht auf die analgetische Therapie an.

Es spricht deshalb sehr viel dafür, gegen Herpes zoster zu impfen. Seit Kurzem ist erstmals ein adjuvantierter Totimpfstoff verfügbar. Er enthält neben dem Antigen gegen ein Oberflächenprotein des VZV (Glykoprotein E), das die spezifische Immunantwort hervorruft, das Adjuvanssystem AS01B, das die Immunantwort verstärkt. Mit diesen 2 Komponenten ist der Impfstoff in der Lage, nicht nur eine humorale, sondern auch eine zelluläre Immunität zu induzieren, erklärte Dr. med. Thomas Breuer, Chief Medical Officer GSK Vaccines. Die zelluläre und humorale Immunantwort bleibt altersunabhängig langfristig erhalten; belegt sind bis zu 9 Jahre (1). Verabreicht wird Shingrix in 2 intramuskulären Dosen im Abstand von 2–6 Monaten.

Untersucht wurde die Vakzine in 2 placebokontrollierten klinischen Studien bei Patienten zwischen 50 und 69 Jahren (ZOE 50) (2) und bei Patienten über 70 Jahren (ZOE 70) (3). Die Studien liefen weltweit und umfassten mehr als 30 000 Teilnehmer. Beteiligt waren auch 38 deutsche Zentren, die mehr als 2 000 Patienten einschlossen. In allen Altersgruppen lag die Wirksamkeit über 90 %. „Gerade in der älteren Population der mehr als 70- oder 80-Jährigen ist dies ein Riesenerfolg, der bisher so noch nicht erzielt wurde; der Zweikomponentenimpfstoff überwindet offenbar die im Alter abnehmende Immunkompetenz“, so Breuer.

Nicht nur vor dem Auftreten der Erkrankung, sondern auch vor ihrer unangenehmsten Komplikation, der Post-Zoster-Neuralgie, schützt der neue Impfstoff. Bei Patienten zwischen 50 und 69 Jahren trat in keinem einzigen Fall eine Neuralgie auf. Bei Patienten ≥ 70 Jahren erlitten in der Placebogruppe 9-mal mehr Patienten eine solche Komplikation als in der geimpften Gruppe. Lokale Reaktionen wie Schmerzen, Rötung oder Schwellung traten nach der Impfung mit Shingrix häufiger auf als nach Placebo, dauerten aber nur 2–3 Tage an. Dies hinderte die Patienten aber nicht daran, zum zweiten Impftermin wiederzukommen. Dies taten rund 95 % der Patienten in beiden Studien.

Fallbericht einer Patientin

Elke Bussmann, 57 Jahre, hatte einen Herpes zoster durchgemacht und schilderte ihre Erlebnisse. Die Schmerzen, die sie plötzlich im Brustbereich auf der Haut verspürte, führte sie auf einen „eingeklemmten Nerv“ zurück und behandelte den Hautbereich lokal mit Wärme. Die Schmerzen wurden aber immer schlimmer. Es zeigte sich eine Rötung auf der Haut, die die Patientin mit Anwendung der Wärmflasche erklärte. Auch der Arzt, den sie nach ein paar Tagen aufsuchte, verkannte die Situation und schaltete erst, als die Bläschen auftauchten. „Die Schmerzen waren so schlimm, dass ich damit gar nicht umgehen konnte, kaum gewagt habe zu atmen und nicht geschlafen habe“, so die Patientin. Es folgte eine Woche stationäre Schmerztherapie mit insgesamt 3 Wochen Krankschreibung. Die körperliche Schwäche habe danach noch Monate angehalten, so die Patientin. Dr. med. Angelika Bischoff

Quelle: Launch-Pressekonferenz „Der neue Impfstoff gegen Herpes zoster – Ein Highlight der GSK-Impfstoff-Forschung“, München, 11. April 2018. Veranstalter: GSK.

1.
Schwarz TF, et al.: Hum Vac Immunother 2018. doi: 10.1080/21645515.2018.1442162 CrossRef
2.
Lal H, et al.: N Engl J Med 2015; 372: 2087–96 CrossRef MEDLINE
3.
Cunningham AL, et al.: N Engl J Med 2016; 375: 1019–32. CrossRef MEDLINE
1.Schwarz TF, et al.: Hum Vac Immunother 2018. doi: 10.1080/21645515.2018.1442162 CrossRef
2.Lal H, et al.: N Engl J Med 2015; 372: 2087–96 CrossRef MEDLINE
3.Cunningham AL, et al.: N Engl J Med 2016; 375: 1019–32. CrossRef MEDLINE

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