ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2018Nitratsupplementierung: Besser direkt stimulieren
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Nitratreiche Ernährung bewirkte in einer australischen Kohortenstudie bei älteren Frauen (70–85 Jahre) eine um 21 % reduzierte Mortalität infolge Arteriosklerose (14 Jahre Beobachtung).

Folgendes ist überzeugender: Bei Frauen vor der Menopause ohne riskanten Lebensstil kommt Herzinfarkt selten vor. Dessen Inzidenz steigt postmenopausal unter Östrogenmangel rasant an. Letzterer bewirkt geringere endotheliale NO-Synthese (eNOS). Ist NO als Neurotransmitter nicht mehr ausreichend vorhanden, so bewirkt das mikrovaskulär klinisch relevante Gefäßspasmen. Eine NO-Erhöhung zur Gefäß-Dilatation ist anzustreben. Bei gesunden Frauen, die erstmals nach der Menopause von pectanginösen Beschwerden berichten, lassen sich diese durch niedrige Östrogensubstitution transdermal beseitigen via gesteigerter eNOS.

Werden glatte Muskelzellen in Gefäßwänden durch ausreichend eNOS relaxiert, dann hilft das hypogonadalen Männern mit Erektionsproblemen – nach Ausschluss psychosozialer Ursachen und manifester Gefäßschäden durch internistische Erkrankungen. Mit Testosteron-Substitution ist das direkter erreichbar als mit PDE-5–Inhibitoren.

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Bei Frauen, die erstmals nach der Menopause an Migräne ohne Aura leiden, kann durch niedriges Östrogen transdermal die eNOS so stimuliert werden, dass via zerebraler Gefäß-Dilatation episodische Kopfschmerzen ausbleiben. Diese Migräne-Prophylaxe ist ohne Risiken und Nebenwirkungen bei heute sehr geringer Hormondosierung.

Fazit: Nitrat als wasserlösliches Stickstoffsalz benötigt der Körper nicht. Aktuell ist das durch hohe Nitratwerte im Trinkwasser/Grundwasser. Wird Nitrat zu Nitrit oder gar Nitrosaminen durch Darmbakterien umgewandelt, dann entstehen Gesundheitsrisiken. Bei hypogonadalen Menschen erreichen substituierte Hormone permanent mehr endogene NO-Synthese zur Gefäßdilatation. Das trägt wesentlich zur hormonellen KHK-Risikohalbierung bei. NO-Inhalation hat kaum Einfluss auf Herzinfarkt-Areale. Nitrat im Trinkwasser erhöht das Darmkrebs-Risiko mehr als bisher angenommen.

Prof. Dr. med. Dipl. Psych. J.M. Wenderlein, 89075 Ulm

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