ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2018Hautkrebs bei Immunsuppression: Verdächtige Läsionen im Genitalbereich sollten inspiziert oder biopsiert werden

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hautkrebs bei Immunsuppression: Verdächtige Läsionen im Genitalbereich sollten inspiziert oder biopsiert werden

Dtsch Arztebl 2018; 115(29-30): A-1387 / B-1168 / C-1160

Leinmüller, Renate

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Foto: picture alliance
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Bei Patienten mit Organtransplantaten verhindert die chronische Immunsuppression Abstoßungsreaktionen, erhöht aber das Risiko für opportunistische Infektionen und Malignome. Nichtmelanozytäre Hauttumoren wie das Plattenepithelkarzinom sind die häufigste Tumorform. Es wird ein Beitrag von humanen Papilloma-Viren (HPV) diskutiert.

US-amerikanische Dermatologen haben in genitalen Hautveränderungen eine starke Assoziation mit Hochrisiko-HPV nachgewiesen (1) und stellen eine Vakzinierung vor der Transplantation zur Diskussion.

Retrospektiv wurden 496 Patienten mit einem Organallotransplantat erfasst, die sich im Rahmen der Nachsorge an einer universitären Hautklinik einem Hautkrebs-Screening unterzogen. Dieses wurde 2016 durch eine standardisierte, vollständige Inspektion der Genitalregion ergänzt, bei der verdächtige Läsionen biopsiert und auf HPV getestet wurden.

Durch diese Qualitätsverbesserung erhöhte sich die Detektionsrate für maligne genitale Hauttumoren im Vergleich zum vorherigen Screening von 0,80 auf 5,0 %, entsprechend einer 6,25-fachen Zunahme. Die Prävalenz von Condylomata accuminata stieg um das 21,8-Fache. Von den dabei untersuchten 120 Patienten wiesen 53 (44,2 %) genitale Läsionen auf, am häufigsten Condylomata (24,2 %). 37 Patienten wurden biopsiert (circa 70 %). Zu 5,0 % wurden maligne Hauttumoren (Basalzell- und Plattenepithelkarzinome in situ) und zu 4,2 % genitale Plattenepithelkarzinome in situ gesichert. In 8 von 12 dieser In-situ-Läsionen wurden Hochrisiko-HPV nachgewiesen.

In einer Befragung vor Untersuchung der Haut hatten 111 der 120 Organempfänger genitale Läsionen verneint, obwohl sie in 53 Fällen vorlagen. Die Diskrepanz belegt nach Meinung der Autoren ein mangelndes Bewusstsein für diese Hauttumoren. Im Durchschnitt waren 6 Jahre bis zur Diagnose der malignen Hautveränderungen vergangen. Männer waren häufiger von der Entwicklung eines Malignoms betroffen (n = 6) als Frauen (n = 3). Die niedrigere Fallzahl bei den Frauen könnte nach Ansicht der Autoren durch sorgfältige gynäkologische Untersuchungen zu erklären sein.

Fazit: Treten bei Patienten nach Organtransplantation Hautveränderungen im Genitalbereich auf, so sind die Läsionen vergleichsweise häufig mit dem HPV-Nachweis assoziiert.

Regelmäßige Kontrollen beim Dermatologen empfiehlt Prof. Eggert Stockfleth, Direktor der Universitäts-Hautklinik aus Bochum, allen chronisch immunsupprimierten Patienten dringend. „Organempfänger haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Tumoren des Hautorganes, speziell für hellen Hautkrebs“, erläutert Stockfleth. „An lichtexponierten Hautarealen ist UV-Licht der Hauptrisikofaktor, im Genital- und Analbereich dagegen sind es onkogene HPV-Typen.“

Ebenso wichtig wie die Früherkennung ist für den Experten die Prävention. Zur Vorbeugung von Malignomen im Genitalbereich könne zum Beispiel gegen onkogene HPV-Typen vakziniert werden. Das Risiko für UV-induzierte Hauttumoren sei durch konsequentes Auftragen medizinischer Sonnenschutzcremes mit neuen Lichtschutzfiltern deutlich zu vermindern. Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

Nadhan KS, Larijani M, Abbott J, et al.: Prevalence and types of genital lesions in organ transplant recipients. JAMA Dermatol 2018; 154: 323–9.

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