ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2018PSA-Screening: Gefährdung richtig abschätzen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

In ihrem Beitrag zum PSA-Screening weisen die Autoren dringlich und mehrfach begründet darauf hin: „Unabhängig von der Effektstärke sollten deshalb ausschließlich absolute, nicht relative Risiken kommuniziert werden“. Das ist deshalb so relevant, da „relative Risiken steigern zusätzlich die wahrgenommenen Unterschiede zwischen Studienergebnissen, was Meinungsverschiedenheiten weiter verstärkt“.

Aber nur eine Seite später (C 513) referiert Rüdiger Meyer in „Studien im Fokus“ ein „5-fach erhöhtes Risiko“ für tiefe Venenthrombosen bei Varikosis-Patienten im Vergleich zu Kontrollpatienten. Aus den zitierten Werten von HR = 5.30 (Chang et al. 2018) und OR = 7.33 (Müller-Bühl et al. 2012) kann der Leser natürlich nicht erkennen, wie hoch die tatsächlichen Risiken sind.

Liest man in den Originalarbeiten nach, dann beträgt die absolute Risikoerhöhung für tiefe Venenthrombosen bei Chang et al. 4 % (Kontrolle 0,9 %, Varikosis-Patienten 4,9 %) und bei Müller-Bühl et al. 4,7 % (Kontrolle 0,9 %, Varikosis-Patienten 5,6 %). Diese absoluten Differenzen sind natürlich immer noch erklärungs- und vielleicht auch behandlungsbedürftig, aber der Leser wäre nun in der Lage, die Größenordnung der Gefährdung abzuschätzen: Nur etwa jeder 20. Varikosis-Patient hat mit einer tiefen Venenthrombose zu rechnen, 19 Patienten sind nicht von dieser Komplikation betroffen.

Anzeige

Prof. Dr. med. Frank P. Meyer, 39164 Wanzleben-Börde

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Stellenangebote