ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2018Landarztquote: In Tagessätzen absitzen
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Zunächst einmal befürworte ich, dass über die ... „Landarztquote“ die Möglichkeit geschaffen werden soll, dass einige Abiturienten, die kein 1,0-Abitur haben und auch nicht sechs Jahre lang gewartet haben, an einen Medizinstudienplatz kommen. Nun sollen sie sich aber verpflichten, nach dem Studium zehn Jahre lang „in ländlichen Regionen in NRW“ ärztlich tätig zu sein.

Warum müssen denn Mediziner überhaupt aufs platte Land „zwangsverschickt“ werden? Weil sie nicht freiwillig dorthin wollen. Und warum nicht? Weil es in manch abgelegener Region eben nicht interessant ist sich niederzulassen. Das liegt ... an strukturellen Gegebenheiten, zum Beispiel überalterter Bevölkerung ..., fehlender Infrastruktur ..., kulturellem Angebot et cetera. In den ersten zehn Jahren nach dem Studium geht es auch um Familienplanung. Da wird sich der eine oder andere schon überlegen, ob er sich in die „Pampa“ (sorry für diesen Ausdruck! Ich will die kleinen Ortschaften oder Städte auf dem Land keinesfalls diskriminieren!) „zwangsverschicken“ lassen möchte.

Nicht wenige werden ... auf das Angebot eingehen und den Medizinstudienplatz über die Landarztquote nehmen ... Sollten sie dann im Laufe des Studiums ... merken, dass sie ... sich ihre berufliche Zukunft anders vorstellen, sind sie in einem Dilemma. ... Wenn man seiner Zehn-Jahres-Verpflichtung nicht nachkommt, ... müsse man mit einer „Geldstrafe in Höhe von 250 000 Euro“ rechnen. ... Wie bei der Erziehung der Kinder hilft Strafandrohung aber nur bedingt und sie fördert auch nicht das gute Klima ... Die Arbeitsbedingungen für junge Ärzte müssen verbessert werden. ... Was passiert, wenn sich ein Arzt nach dem Studium weigert, aufs Land zu gehen? ... Nicht alle Medizinstudenten kommen aus reichem Hause! Der überwiegende Anteil könnte diese Strafe nicht zahlen! Müssen sie ihre Strafe dann in Tagessätzen absitzen ...? Sollte der finanzielle Rückhalt bei den Eltern ausreichen, werden sie gegen diese ... Strafe klagen und dann wohl auch bis zur höchstrichterlichen Instanz. ...

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Dr. med. C. Stern, 72072 Tübingen

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