ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2018E-Health: Patientenakten im mobilen Zugriff

POLITIK

E-Health: Patientenakten im mobilen Zugriff

Dtsch Arztebl 2018; 115(31-32): A-1420 / B-1196 / C-1188

Krüger-Brand, Heike E.

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Der Referentenentwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes enthält einige Neuregelungen zur Tele­ma­tik­infra­struk­tur. So sollen die Versicherten auf die Daten ihrer elektronischen Patientenakte künftig auch per Smartphone zugreifen können. Das Patientenfach wird überflüssig.

Nach dem geplanten Terminservice- und Versorgungsgesetz aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) werden die Krankenkassen in § 291 a Sozialgesetzbuch (SGB) V dazu verpflichtet, ihren Versicherten spätestens ab 2021 von der Gesellschaft für Telematik (gematik) zugelassene elektronische Patientenakten (ePA) zur Verfügung zu stellen. Ziel ist es, damit Patientenakten ins Gesundheitssystem einzuführen, die sektorenübergreifend bei allen Leistungserbringern und auch kassenübergreifend nutzbar sind.

Zwei-Schlüssel-Prinzip fällt weg

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Da die Versicherten künftig die Möglichkeit erhalten sollen, auf die Daten der ePA auch ohne Heilberufsausweis (und damit ohne Anwesenheit eines Leistungserbringers) zuzugreifen, wie dies ursprünglich nur für das elektronische Patientenfach (ePF) vorgesehen war, entfällt das ePF als eigene Anwendung.

Die Einwilligung des Versicherten in die Nutzung der medizinischen Anwendungen soll – unter Beachtung des Datenschutzes – vereinfacht werden. Außerdem erhalten die Versicherten künftig zusätzliche Zugriffs- und Authentifizierungsmöglichkeiten, damit sie auch mit mobilen Endgeräten, wie Tablets oder Smartphones, über die Daten in ihrer ePA verfügen können. Bisherige Zugriffswege mittels elektronischer Gesundheitskarte sollen aber bestehen bleiben. Die Krankenkassen sind künftig dazu verpflichtet, die Versicherten über die ePA sowie über die unterschiedlichen Zugangswege und damit verbundene Abstufungen bei der Sicherheit zu informieren.

Nach § 305 SGB V dürfen Krankenkassen künftig auf Wunsch des Versicherten Leistungs- und Abrechnungsdaten an Dritte, etwa für die ePA, übermitteln. Dabei muss jedoch sichergestellt sein, dass die Daten ohne ausdrückliche Einwilligung des Versicherten nicht von einem Aktenanbieter oder den Krankenkassen eingesehen werden können.

Die gematik wird beauftragt, im Benehmen mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik die Voraussetzungen für diese zusätzlichen technischen Anforderungen zu schaffen und für handelsübliche mobile Geräte und Dienste bis zum 31. März 2019 ein Zulassungsverfahren zu erarbeiten. Zudem muss die gematik das BMG künftig über Störungen, die die Sicherheit oder Funktionsfähigkeit der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) beeinträchtigen können, informieren.

Ab 2021 sollen Ärzte Arbeits­unfähigkeits­bescheinigungen elektronisch an die Krankenkassen übermitteln können. Die Datenübermittlung über die TI sieht dabei auch eine qualifizierte elektronische Signatur mit dem Heilberufsausweis vor.

Beifall von den Krankenkassen

Lob für den Gesetzentwurf kam von den Krankenkassen. Erfreulich sei, dass die längst überfällige gesetzliche Änderung zur ePA auf den Weg gebracht werde, meinte Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, mit Blick auf die vorgesehenen mobilen Zugangswege. Was noch fehle, sei eine gesetzliche Regelung zum weiteren Ausbau der elektronischen Kommunikation zwischen Patienten, Leistungserbringern und Krankenkassen.

„Wenn alle Krankenkassen verpflichtet werden, ihren Versicherten eine elektronische Gesundheitsakte anzubieten, wird eine erhebliche Dynamik in das System kommen und die Digitalisierung im Gesundheitswesen weiter vorangetrieben“, betonte auch der Vorstandsvorsitzende der TK, Dr. med. Jens Baas.

Beide Krankenkassen haben bereits Gesundheitsakten für ihre Versicherten entwickelt, die sie derzeit testen (Kasten). Heike E. Krüger-Brand

Verhältnis Patienten- und Gesundheitsakte

Die Antwort der Bundesregierung vom 25. Juli auf eine Kleine Anfrage der Grünen (Drucksache 19/3528) zu den Rahmenbedingungen von elektronischer Patientenakte nach § 291 SGB V und Gesundheitsakte nach § 68 SGB V gibt Aufschluss über das Verhältnis beider Akten: Danach handelt es sich bei § 68 lediglich um eine „Finanzierungsregelung“, damit die Krankenkassen „bereits im Vorfeld der Zurverfügungstellung von Patientenakten nach § 291 a SGB V“ für ihre Versicherten am Markt angebotene Aktenlösungen finanzieren und erproben können.

Sobald die gematik ihre konzeptionellen Arbeiten zur ePA abgeschlossen hat – dies muss gemäß der gesetzlichen Frist bis Ende 2018 geschehen – und die Interoperabilitätsfestlegungen getroffen sind, müssen die Krankenkassen diese Grundlagen auch bei den von ihnen finanzierten Akten berücksichtigen. Denn laut § 291 e SGB V dürfen elektronische Anwendungen im Gesundheitswesen nur dann aus GKV-Mitteln finanziert werden, wenn die Krankenkassen dabei die Interoperabilitätsvorgaben der gematik beachten.

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axelmaxi
am Montag, 13. August 2018, 16:05

4dmed

Die virtuelle Realität tritt schnell in unser Leben ein. Sie verändert die Art, wie wir interagieren, wie wir uns unterhalten und sogar, wie wir geheilt werden. Dies ist der Fall, wenn eine Tech-Erfindung so tief im Gesundheitswesen implementiert wird. Virtual Reality Applikationen in der Medizin machen die Arbeit, die jede andere Art von Therapie nicht in der Lage ist zu meistern. Reduzierung der Schmerzen, Behandlung von Phobien und ins besondere die Ausbildung von jungen Ärzten. Dies wird nur durch Headsets möglich gemacht. Die virtuelle Realität im Gesundheitswesen stärkt ihre Positionen und wird immer erschwinglicher. Diese Technologie wird bereits seit über 30 Jahren in Kliniken und Krankenhäusern eingesetzt. Marktführend in diesem Bereich ist das in Hongkong ansässige Unternehmen 4dmed. Die Preise für spezielle Geräte für die Nutzung der virtuellen Realität im medizinischen Bereich beginnen mit $30.000 und können sogar $300.000 überschreiten. Der moderne Markt der Virtual Reality Headsets bietet viel günstigere Geräte und gleichzeitig die Möglichkeit, Software zu entwickeln, die für jeden speziellen medizinischen Fall benötigt wird. Der Preis für Oculus Rift in Deutschland, zum Beispiel, beginnt mit 699 Euro und dieses Gerät ist eher in privaten Arztpraxen zu verwenden. Die medizinischen Applikationen in virtueller Realität werden immer vielfältiger und auf die Bedürfnisse der privaten Praktiker und staatlichen Krankenhäuser zugeschnitten. 4dmed wiederum, ermöglicht eine persönliche Herangehensweise für jeden Patienten zu finden. Während mobile Gesundheits-Apps auf die Verbesserung der Zufriedenheit des Patienten und die Reduzierung des Verwaltungsaufwands zielen, lösen VR Apps komplexere Probleme und spielen eine Schlüsselrolle bei der Behandlung verschiedener Krankheiten.

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